| Es gilt, einen wundervollen Autor zu entdecken. Einen, der eine charakteristische Romanwelt wie kaum ein anderer Schriftsteller geschaffen hat. Und der es verstand, als Verfasser seiner Texte weitgehend der Unbekannte zu bleiben. Was macht sein Werk so unverwechselbar? Charles Ramuz` Literatur wurzelt im Konkreten, im Kleinen, im besonderen Menschen, in der eigentümlichen Landschaft – und aus dieser Eingebundenheit heraus entwickelt dieser Textzauberer universale, zeitlose Themen, die überall gelesen und verstanden werden können, die Menschen unabhängig von den Orten, an denen sie leben, berühren.
Gérald Froidevaux hat ein erhellendes, mehr noch: ein überaus lesbares und lesenswertes Buch über Charles Ramuz verfasst, das Auskunft gibt über diesen besonderen Autor, über seine Kindheit, sein Heranwachsen, über seine ersten Kontakte zur Kunst, über seine Wirkungen und auch über die Schwierigkeiten von Kollegen im Umgang mit ihm. Der Verfasser versteht es dabei, insbesondere zeitgenössische Stimmen zu Wort kommen zu lassen und so den Erzähler Ramuz aus der Perspektive des Zeitgenossen lebendig vor uns zu stellen.
Es gibt wunderbare Romane von Ramuz, die gelesen, entdeckt werden können: Derborence, diesen Roman mit wunderbaren Dialogen zwischen Mann und Frau, die im Konkreten angesiedelt die großen Themen zwischen Mann und Frau behandeln; Samuel Belet, die Lebensgeschichte eines Sechzigjährigen, der nach einer Zeit draußen in der Welt in seine kleine Welt und zur Erkenntnis findet, dass jeder seinen eigenen Garten zu bestellen hat, oder Farinet oder das falsche Geld über den Falschmünzer, den sie alle verstecken bis ihn seine enttäuschte Freundin verrät. Ramuz gestaltet anhand alltäglicher Themen das Große. Eine großartige und dennoch stille Stimme, die in unsere Zeit, in unsere Gefühle hineingreift.
Gérald Froidevaux: Ich bin Ramuz – nichts weiter. Brosch., 266 S., Limmat Verlag, Zürich 1987. C.F. Ramuz: Samuel Belet, 320 S.; Farinet oder das falsche Geld, 170 S.; Besuch des Dichters, 124 S.; Derborence, 160 S., usw., alle im Limmat Verlag, Zürich.
zurück zur Übersicht bitte | |