| Städte erkunden – das macht man am besten, indem man sich ein Thema vornimmt: auf den Spuren von Dichtern zum Beispiel. Der Attempto Verlag hat jetzt ein vorbildliches Buch vorgelegt: Tübinger Dichter-Spaziergänge, die zum einen ein wundervolles Kennenlernen dieser reizvollen Stadt erlauben, zum anderen kann dieses Buch auch als Musterbeispiel für literarische Ortserkundungen gelten – mit umfassenden Informationen, mit Hintergrundwissen, mit hervorragend präsentiertem und passendem Illustrationsmaterial.
Andreas Rumler zeigt sich nicht nur als profunder Kenner der Tübinger Literaturgeschichte, er kann auch noch erzählen: in einem sachlichen, schlichten Stil versteht er es, in den Bann zu nehmen, und schon beim Lesen eine Stadt mit großer literarischer Vergangenheit aufleben zu lassen. Wer dächte nicht an Hölderlin, wenn die Sprache auf Tübingen kommt, aber Andreas Rumler versammelt nicht nur die bekannten – wie Uhland, Cotta oder Hesse -, sondern eben auch die unbekannteren Namen: Martin Crusius, Ottilie Wildermuth und viele andere. Dazu gibt er viele Informationen, die über das rein Literarische hinausgehen: über Orte in der und um die Stadt, die aus der Geistestradition Tübingens kaum wegzudenken sind. So schafft der Autor in diesem Buch das Bild einer sympathischen, lebenswerten Stadt mit großer Geistesgeschichte.
Andreas Rumler: Tübinger Dichter-Spaziergänge, brosch., 190 S., Attempto Verlag, Tübingen 2003
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