| Eine traumhafte Geschichte, sensibel erzählt von Franz Hohler und einfühlsam illustriert von Reinhard Michl: über den sympathischen, nachdenklichen Jungen Conradin, bei dem am See kein Fisch anbeißen will und der statt dessen ein kleines Männlein „angelt“, das kaum so groß wie der Schuh des Jungen ist. Es schimpft auch nicht schlecht. Es wohne im See, sagt es schließlich, und sei auf dem Weg zur großen Versammlung der Seemännlein und Flussweiblein auf dem Grunde des Sees. Kurzum: Conradin darf mit, weil er ein Sonntagskind ist. Ein wunderbar poetisches Bild über zwei Seiten im Buch illustriert diese Aussicht für den Jungen.
Nachts dann, im See, taucht Conradin mit dem Männlein in die Tiefe. Auf dem Grund des Stausees liegt ein versunkenes Dorf, und überall sitzen seltsame Wesen, Männlein, Weiblein, die schnattern und schwatzen und kichern und glucksen. Eine Landschaft, ein Bewegen wie im Traum.
Bei der Versammlung können alle ihre Anliegen äußern: Der Rumpelkalk beispielsweise, der, seit es den Rumpelstausee gibt, in seinem Rumpelbach kein Wasser mehr hat. Daraufhin schleckt ihm die Neuneuterkuh zum Trost die Hände ab. Und erst die Plätschersusi aus dem Schletzbachtal, eine überaus attraktive Meerjungfrau, die so schön verträumt blicken kann, pflichtet dem Rumpelkalk bei: So ginge es ihr schon seit Jahren, „tut doch endlich was!“
Eine Lösung? Hierin, im Vorschlag der Plätschersusi, liegt die feine Anarchie des Buches: die Schleusen des Rumpelstausees sollten sie öffnen, dann wäre alles wieder in Ordnung. Bravo!, schreien alle. Und dann das, was die Seeweib- und –männlein sympathisch macht: die Anarchie kann warten, erst mal ist der jährliche, große Tanz wichtig; Sonntagskind Conradin solle einstweilen seinen Menschen ausrichten, dass es so nicht weitergehe, und dass etwas passiere, wenn die Bergbäche kein Wasser mehr führten in Zukunft. Dann der Tanz: die „Stollenfetzer“ spielen, Conradin auf der tanzenden Neuneuterkuh, die Plätschersusi steppt mit schüchtern-blitzendem Augenaufschlag ...
Was für ein Buch!
Franz Hohler / Reinhard Michl: Der Tanz im versunkenen Dorf. 32 S., geb., ill., Hanser Verlag, München 2005, 12,90 Euro
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