| Zeit für Kunst im Juni 2009
"Kunstwerke sind Picknickplätze" | Ein Gespräch mit François MorelletBeitrag des Museums Ritter zur Ausstellung vom 17.05. – 27.09.2009: François Morellet - Die Quadratur des Quadrats - Eine Introspektive
François Morellet: In einem kurzen Text an anderer Stelle dieses Katalogs habe ich mich ausführlich über meine chaotischen Vorlieben und auch über den Sinn (Un-Sinn!) der "Quadratur des Quadrats" ausgelassen.
Gerda Ridler: Der Untertitel der Ausstellung lautet: „Eine Introspektive“. Was erwartet uns bei dieser Innenschau? Timm Ulrichs hat 2004 einen introspektiv-autobiografischen Film mit dem Titel „Durchsicht durchs Ich“ gedreht, bei dem eine winzige Kamera den Weg durch den Verdauungskanal des Künstlers dokumentiert. Geben Sie uns bei Ihrer Introspektive ähnlich intime Einblicke?/p>
François Morellet:
Ich bleibe nun mal leider ein unverbesserlich frivoler Greis.
Ich habe das Substantiv "eine Introspektive" aus viel frivoleren Gründen gewählt, als Sie vermuten. Zunächst einmal, weil es dieses Wort im Französischen nur als Adjektiv gibt und man im Gegensatz zu „Retrospektive“ nicht an eine Ausstellung denkt. Es handelt sich also nicht um eine Ausstellung, die meine Werke in historischer oder rekapitulierender Manier präsentiert. Nein, es handelt sich nur um eine Ausstellung von mir über mich, die mit dem Museum Ritter-Team realisiert wird. Es wird keine tiefsinnige, intime Botschaft enthüllt, die es nicht schicklich wäre, an einem öffentlichen Ort preiszugeben. Ich bleibe nun mal leider ein unverbesserlich frivoler Greis.
Gerda Ridler: Sie werden oft als bedeutender Vertreter der Konkreten Kunst bezeichnet. Dabei sind Sie doch alles andere als ein orthodoxer Verfechter dieser Zunft. Ihr OEuvre ist nicht puristisch streng, sondern gekennzeichnet von Humor und Ironie. Sie sind ein Meister der geistreichen Anspielung und Andeutung. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die Kombination von geometrischem Kalkül und Lebensfreude aus. Man hat immer ein Lächeln auf den Lippen, wenn man Ihre Werke betrachtet. Bezogen auf die Konkrete Kunst haben Sie gesagt, dass Richard Paul Lohse ein seriöser Vertreter war, Sie hingegen sind … ?
François Morellet: Ja, ich bin ein ungläubiger Orthodoxer, ein Lästerer aller Glaubensrichtungen! Oder, um mich weniger geschwollen auszudrücken, ich meide das Transzendentale und Seriöse. Mir scheinen Humor, Ironie, Spott und Frivolität die notwendige Würze zu sein, um Quadrate, Systeme und alles Übrige verdaulich zu machen.
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