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Harald Schwiers in der Virtuellen Kulturregion SWO über die Ausstellung von Wolfgang Henning

Harald Schwiers in der Virtuellen Kulturregion SWO

"Schwein gehabt“

Der Technik verdanken wir auch, daß uns die eine oder andere der Henningschen tierischen Kreationen mit der Zeit und bei näherer Betrachtung bekannt vorkommt. „Have you had your Xerox today?“, war ein Werbespruch der 70er Jahre. Noch heute steht das Substantiv xerox im amerikanischen Englisch für Fotokopie. Sie merken, ich komme zum ernsthaften Teil der Rede, aber das muss sein. Denn man fragt sich angesichts dieser für den einstigen Kitzel- und Kalinowski-Schüler ungewöhnlichen Arbeiten: Wie hat er das gemacht? Es muss also sein, damit der Künstler nicht nach meiner Rede im persönlichen Gespräch, zu dem er natürlich gerne bereit steht, ständig dieselben Fragen beantworten muss, bis ihm der Mund fusselig ist.

Aber keine Angst - ich gehe hier im Schweinsgalopp durch: Schuld war Alfred Knecht, der vor einigen Jahren Henning einen Dampfkopierer überlies. Der fühlte sich herausgefordert und begann, statt wie jeder ordentliche Bürger alltägliche Blätter zu kopieren und abzuheften, damit zu experimentieren. Der alte Kopierer hat längst ausgedient. Ein neuer leistungsfähiger Apparat musste her. Und der bot ungeahnte Möglichkeiten. Also betätigte sich der Künstler als Landwirt, legte eine kleine Ferkelzucht an, keines sah zunächst aus wie das andere, aber der Kopierer kann ja auch vergrößern und verniedlichen und allmählich veränderten sich die Schweinderln, wurden per Hand vervollständigt, verwandelt, manchmal nur allmählich, bekamen da und dort Auswüchse, Ansätze, ihre Umgebung wechselte, immer wieder kopiert der Künstler – übermalt, legt unter, schneidet mit der Schere mal da, mal dort, bearbeitet mit der Maschine und mit Stiften auf Vorder- und Rückseiten des Papiers, nimmt transparente Träger mit hinzu und fügt so Schicht um Schicht auf das Papier, klebt und kopiert wieder und wieder, fügt hinzu, schnippelt wieder weg uswusw, bis, ja bis er endlich zufrieden scheint. Dann beginnt der Prozess von vorne, bis der Betrachter schließlich nicht mehr weiß, welches – um im Bild zu bleiben – die Muttersau, welches die erste und die zweite Generation ist. Eine Schweine-Arbeit. Aber: Diese bewusste Fragmentieren, das Beschneiden, eröffnet dem Künstler neue Räume, neue Wege, die er malerisch sonst kaum beschreiten würde. Eine durchaus spielerische Entwicklung, hinter der ein ganzes Arsenal von Schweinskoteletts, - rücken, -köpfen, -füßen und –lenden steht, die aber, einmal im Passepartout und hinter Glas, alle zur Original-Schweinen werden. Originell sowieso. Es ist die Geburtsstunde des Meer-Schweines. Stets unter formal-künstlerischen Aspekten. Henning erzählt. Nebenbei, er hat dennoch seine strengen Kriterien der Malerei verinnerlicht, wie sich u.a. am spielerischen Umgang mit der Symmetrie oder der Variationsfreudigkeit leicht erkennen läßt.

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