| Das klingt ja sehr nett, aber wie soll ein normal Sterblicher damit fertig werden? Was will uns Homer damit sagen? Schweinisches? Fünf Frauen. Quellentöchter und! Circe. Doch dem Helden gelingt es durch die Zauberwurzel, die er zuvor von Hermes, dem David Copperfield der Antike, zugesteckt bekommen hat, das männliche Problem zu lösen. Inzwischen ist das Präparat des Götterboten auch in jeder Apotheke oder – preiswerter – im Internet erhältlich.
Bei der „Befreiungsaktion“ stellt sich heraus, daß Odysseus’ alte Weggefährten nicht in ganz herkömmliche, normale Hausschweine verwandelt wurden, sondern in neunjährige Eber. Da sind andere Kräfte gefragt. Doch daran mangelt es nicht. Jedenfalls der Circe. Die bestrich die Herren Eber mit ein wenig Zaubersaft und schon waren sie wieder das, was sie sintemal waren. Nur jünger. Deutlich jünger. Das hat natürlich auch Odysseus verblüfft. Und deswegen willigte er bereitwillig ein, weiter zu segeln und noch ein paar Abenteuer zu bestehen…
Wenn Sie itzo sagen, das alles hätten Sie im europäischen Bildungskanon doch eh drauf gehabt, tja, dann glaub’ ich, mein humanistisches Schwein pfeift! Doch woher all die Unbill? Das ist die Frage, die auf jeden Fall Wolfgang Henning bewegt hat, den Zyklus zu kreieren. Natürlich ist das Schwein, dem Menschen ja in vielerlei Beziehung ziemlich nahestehend, ein dankbares Thema für einen Maler und Zeichner. Doch die Schweinerei, die ganze Ferkelei, ist ja nicht auf Wolfgang Hennings, sondern auf Homers Dung gewachsen. Warum benehmen sich Menschen wie Schweine? Bei Homer war es Neid, Missgunst, die Odysseus’ Kollegen dazu geführt hat, einen fest verschlossenen Beutel zu öffnen, weil sie glaubten, mit leeren Händen nach Ithaka zurückkehren zu müssen. Sie glaubten, es sei edel Geschmeide und gülden Werk im Beutel, praktisches Glück. Deshalb öffneten sie das Säcklein. Was sie nicht wussten: Drin war Sturm. Und mit dem geöffneten Windbeutel wurden sie an den Strand von Circes Insel geworfen. Das hatten sie davon. Es war eine frühe Aktion Schweinebucht. „Aber auch die ging voll und ganz in die Hose“, witzelte Wolfgang Henning, als wir diese Woche drüber locker lästerten.
Nun macht die Technik täglich Fortschritte und deshalb sind Wolfgang Hennings Schweine auch nicht mehr nur das, was wir aus dem Geschichts- oder Biobuch unserer Jugend kennen. Sie haben sich verändert, sind mutiert, kommen daher wie Rüsseltiere, sechsbeinige Exoten, haben die Steckdose vorne und hinten, sind mit Stacheln bestückt, sehen aus wie Kühe, Katzen oder ähneln Elefanten, besitzen mehr als ein Ringelschwänzchen, haben Antennen oder Schneckennudel-Nasen oder sind enorm kantig und taugen zum Landschaftsbild. Alles Schweine! Warum eigentlich nicht? Natur ist vielfältig. Es gibt ja wohl mehr, als nur das Warzen-, das Woll-, das gemeine Haus-, das Wild- und das schwäbisch-hallische. Und das Eine-Rippe-Mehr-Schwein ist jedem Viehzüchter bestens vertraut. Die Gen-Technik macht’s möglich. Wenn Sie weiter sehen wollen, welche Formen Schwein annehmen können, empfehle ich zur weitere Lektüre nicht Brems Tierleben, sondern James Joyces Ulysses, Kapitel 15, Schauplatz ist das berühmte Dubliner Bordell, kurz The Monto genannt…
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