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Harald Schwiers:

"SCHÜSSELSALAT"

Zumindest im Sommer. Des eigenartige isch, daß sich im Verlauf von 'me Leben die B'stecke und die Schüssle irgendwann von selbst mische. Selbst wenn früher alles zusammengepaßt hat, eines Tages hasch des gleiche Durcheanner wie am Anfang, bloß innere annere Farb. Jetzt isch des, wenn damit langsam älter g'worre bisch, kein Beinbruch. Auf d'Lebensqualität hat das keinen Einfluß. Aber es kommt der Tag, da fängt dieser farbenfrohe Stilbruch an zu störe. Weniger dich, du hasch dich ja dran g'wöhnt. Mehr die Frau, mit der du schon ä Weile z'sammenlebsch. Vielleicht isch au des eine oder andere Teil vorbelastet, also irgendwie mit deinere Vergangenheit verbunde - und möglicherweise hasches ja grad deshalb noch net weg'schmisse oder irgendwo absichtlich vergesse - auf jeden Fall steht sie eines Tages in der Tür und drückt dir stolz ä Päckle in'd Händ: Eine Salatschüssel - praktisch unverpackt natürlich, des geht bei dere Größ' net annerschd und dadefür hat man ja auch Verständnis.

Dann gucke noch zwei Stengel 'raus: 'S B'steck. Ä Gabel mit zwei Zinke und en fast flache Löffel, der zum Ausgleich für die fehlende Kuhle so breit isch, daß du ihn nicht mehr in de Mund nehmen kansch, obwohl du für dei Leben gern die Soß' auslöffelsch. Calucci oder so ähnlich steht auf'me silberne Bepper, der beim Wegmache häßliche blinde Flecke hinterläßt, der aber beweist, daß sich en italienischer Designer Gedanke um deine Art von "Schöner Wohnen" gemacht hat. Dummerweise isch die Schüssel ä richtige Schüssel; erinnert also mehr an en Satelitteempfänger als an ä Küchegerät. Un dann hat se noch en breite Rand. Des bedeutet, daß es unmöglich isch, die Soß' aus de Schüssel zu trinke, obwohl das inzwische ja in viele Gesellschaftskreise daheim akzeptiert wird.

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