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Die Virtuelle Kulturregion

Harald Schwiers:

Johannes Goebel

(Aus dem Tagebuch der Fächerstadt, INFO-Verlag 1999)

Goebel baute deshalb zum Beispiel eine Reihe von Musikinstrumenten selbst, bohrte, fräste in Holz und Metall, um die Grenzen der Tonerzeugung auszuloten und er experimentierte mit Amateuren und Profis auf "Schrottinstrumenten". Wer so die Grenzen des Hörbaren erfühlt, hat am Sampling, an der Aufnahme und Veränderung herkömmlicher Töne per Computer als Kompositionsgrundlage, nur mäßiges Interesse. Goebel interessieren Töne, die ausschließlich am Computer entstehen können und das tradierte Instrumentarium ergänzen. Neue, un-erhörte Klangwelten, verschieben die Grenzen des Gewohnten. Grundlage dazu ist zwangsläufig auch die intensive Auseinandersetzung mit Programmen. Doch für seine Ansprüche gab es keine fertigen Programmsprachen oder -bausteine, "learning by doing" ist der einzige Weg.

In Stanford jedenfalls traf der Komponist eher zufällig auf eine Projektgruppe des ZKM, der Kontakt war geschaffen. Das ZKM sah Goebel als die einzigartige Chance, seine Vorstellungen auf höchstem Niveau umzusetzen. Dazu gehört auch die Verbindung von Forschung und künstlerischer Produktion, an der Musiker, Techniker und Forscher beteiligt sind, die - so seine Erfahrungen - jeder eine andere Sprache sprechen. Oder die Verbindung mit der Bild-Technik, wenn beide Medien gleichberechtigt aufeinander zu gehen und der Ton nicht die "nette Untermalung" abgibt. Reizvoll war für Goebel aber auch Planung und Aufbau eines voll digitalisierten Studios mit einem "Konzertraum", der sich sowohl für elektroakustische Musik (Musik, die nur per Lautsprecher erklingen kann), wie für "herkömmliche" Konzertarten eignet und natürlich Planung und Realisation des Medientheaters.

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