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Harald Schwiers in der Virtuellen Kulturregion SWO über Achim Fischel

Harald Schwiers in der Virtuellen Kulturregion SWO

Veranstaltungen im November 2005

Der Nabel der Küchen-Welt

Achims Küchenkunst ficht das alles nicht an. Ein schöner Nebeneffekt: Man kann sich sein Küchenbild nach eigenen Geschmacksvorlieben selbst zusammenstellen. Gleich, wo das Bild hängen wird. Es muß ja nicht die Wurst mit Sauerkraut sein. Küchenkunst gibt es auch fleischlos, ja selbst ovo- mit und ohne lakto- oder piskovegetabil oder hundertprozentig veganisch. Wer’s denn mag. Ich habe mich – klarer Fall – nicht für Vollkorn (s.o.), sondern für die schiere Fleischeslust entschieden. Pur und ohne geschmacksverstärkende oder konservierende Zusatzstoffe. Allerdings mit Farbstoff. Aber weder in Achims Pferde oder Würste wird reingebissen. Die Pferde sind viel zu schnell, von den Würsten vermute ich ähnliches. Eher überkommt mich gelegentlich die Laune, an den drallen Damen wollüstig zu knabbern. Jedoch, ich kann mich zurückhalten. Noch. Und selbst wenn die Dame von Welt mir verlockend ihr gerade wohlfeil erstandenes Täschchen entgegenstreckt, so wähne ich sie doch schon auf dem Sprung, sollte ich mich mit hinterhältigen Gedanken zu sehr nähern. Flugs dürfte sie aus dem Bild raus sein. Ätschebätsch. Und dann streckt sie mir noch kess die Zunge ’raus. Das schmucke Business-Aktentäschchen bliebe vermutlich zurück, mich weiterhin zu narren. Drin fände ich die jüngsten Einkäufe: Würste, frisches Sauerkraut, vielleicht ein Glas guten Senf und – das auf jeden Fall – eine Zwiebel. Denn die Zwiebel, vor allem die schmackhafte rote Variante, ist zweifelsfrei der Nabel der Küchen-Welt.

Die Damen in dieser, meiner bunten Welt sind allesamt mit ausgefeilten circensischen Fähigkeiten ausgestattet. Das macht sie behende, extrem verwandelbar und geschmeidig. Sie beherrschen jeden Drahtseilakt, horizontal und selbst vertikal mit spielerischer Leichtigkeit. Ein ausgeprägtes Gefühl für Gleichgewicht ist ihnen angeboren. Alles Eigenschaften, mit denen man sich leicht anfreunden kann. Auch mit der Peitsche, die im Circus bekanntlich zu den wichtigen Requisiten gehört. Und ganz selbstverständlich können diese Frauen (ja, es sind bestimmt manchmal mehrere, aber alle mit derselben Identität!) sich auch völlig mühelos im Raum bewegen, auf dem Kopf stehen und dabei nicht den Überblick verlieren. Eine gewisse natürliche Rotation wohnt ihnen durchaus inne. Mich bringt das keineswegs durcheinander. Denn welche gerade an der Reihe ist, bleibt einem unerfindlichen geheimnisumwitterten Rhythmus vorbehalten. Ich liebe sie. Alle!
Von Zeit zu Zeit machen die Damen auch Krafttraining. Um in Form zu bleiben. Sieben Seile im Expander sind für sie nur eine Übung zum Warmmachen. In guten Zeiten, also austrainiert, bauen sie mühelos Menschenpyramiden und balancieren graziös Pferde auf den Oberschenkeln. Das läßt tief blicken.
Ahnungslose behaupten natürlich mit der ihnen eigenen Unverfrorenheit, das seien ja bloß „irgendwie bemalte Pappteller“. Absoluter Blödsinn. Bekanntlich hielt man bis Galileo Galilei die Welt auch für einen Teller. Und der Irrglaube dauerte, mit päpstlichem Segen, offiziell deutlich bis in die Zeit der Nudelsetzkästen an. Nur die wenigen, mit Phantasie begabten Entdecker wollten über den Tellerrand hinausschauen (abgesehen mal vom rein merkantilen Interesse) und sich fallen lassen. Das ist mit einer Prise Risiko verbunden, zugegeben, aber Kunst ohne Wagnis gehört in den Keller. Nicht in die Küche.

Harald Schwiers

PS: In meinem, sonst hochwohllöblichen, 900 Seiten starken Küchenlexikon kommt nach „Fisch“ sofort „Fischfarce“; ich habe den Verlag angeschrieben. Fischel fehlt

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