| 10 Jahre Galerie Alfred Knecht – Aufhören! Schwiers, ich kann es nicht mehr hören. Aufhören! Zu viel der verbalen Torten, Auf- und Ergüsse. Die Kunst geht bekanntlich nicht nach dem Brot und schon gleich gar nicht nach dem Wort.
Galerie Alfred Knecht in der Karlsruher Baumeisterstraße Aber – so ist einzuwenden: Kunst, Wort und Brot sind untrennbar miteinander verbunden. Eine Vernissage ohne adäquate Verköstigung – ich bitte Sie – wer will da hingehen, geschweige denn etwas kaufen?!? Gut. Das Wort, die Rede, egal von welcher Kapazität, wird halt einfach hingenommen. Muss hingenommen werden. Ohne zuzuhören. Der Applaus ist das Sturmgeläute für das Büffet. Gewiefte Kunstkenner kommen daher gleich eine halbe- bis Dreiviertelstunde später… Doch hier meldet sich der wache Chronist vehement zu Wort. Da gibt es doch elementare Unterschiede. Denken Sie an diese wunderbaren Ausstellungseröffnungen, etwa bei Geldinstituten oder Energieriesen, bei denen es zwar oft nicht viel Kunst, das aber oft in Massen, dafür aber viel zu Essen gibt. Vor allem zu trinken. Das erleichtert den Bezug zur Kunst erheblich. Käufer schafft es hingegen eher weniger. Aber die Stimmung ist gut. Bis die belegten Brötchen aus sind. Denn das Kunst-Volk geht nach der Qualität der Brötchen, im gemeinen Vernissagendeutsch Canapés genannt.
In Karlsruhe grassieren bekanntlich Listen, auf denen die kulinarisch besten Ausstellungseröffnungen verzeichnet sind. Die elementare Frage ist meist, wie verschaffe ich mir Zugang. Muß man auf einer Liste stehen? Wie komme ich da drauf? Wie groß muß die Handtasche sein, damit der Proviant für die Familie reicht? Ist die Mitnahme von Plastiktüten empfohlen, damit die Tasche nicht versifft wird? Gibt es auch etwas für den Hund?! Die Damen und Herren sind Ihnen und mir wohlbekannt. Und heute nicht anwesend. Aus gutem Grund! Hier gibt es in der Regel einfachen Pfälzer Wein, Alwa-Wasser und ein paar Salzsticks bzw. Aldi-Grissini. Das ist keineswegs ehrenrührig. Wie hätte Alfred Knecht – wer nennt ihn übrigens Alfred?!? – als Galerist zehn Jahre lang mit seinem doch eher bescheidenen Lehrergehalt überstehen, überleben können? Eingeweihte, Freunde wie Du und ich bekommen hier außerdem noch einen Kaffee, denn an der Freundlichkeit des Personals mangelt es hier nicht, ebenso wenig wie an der Kompetenz des eher freiwillig dienstleistenden Personals. Im Gegensatz dazu stehen die oben – nur beispielhaften – genannten „Kunschdiewends“.
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