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Galerie im Prediger Schwäbisch-Gmünd im Kunstportal Baden-Württemberg
17. Oktober - 30. November 2008
Wilhelm Widemann und Moritz Röbbecke. Die Gnade und die Wahrheit - Der Berliner Historismus im Spital von Schwäbisch GmündEröffnung
Die Ausstellung wird am Freitag, 17. Oktober, um 19 Uhr im Prediger (Refektorium) durch Bürgermeister Dr. Joachim Bläse eröffnet. Zur Eröffnung sprechen der stellvertretende Vorsitzender der Eduard-Dietenberger-Stiftung, Werner Debler, und Museumsleiterin Dr. Gabriele Holthuis.
Berliner Historismus in Schwäbisch Gmünd
Infolge der Neugestaltung des Eingangs zum ehemaligen Gmünder Heiliggeistspital am unteren Marktplatz in den Jahren 1903-1906 gelangte eine besondere Form des Berliner Historismus nach Schwäbisch Gmünd. Der Kunsthandwerker und Bildhauer Wilhelm Widemann, 1856 in Gmünd geboren und1915 in Berlin verstorben, schuf gemeinsam mit dem Maler Moritz Röbbecke (Meerane 1857-1916 Dresden) ein kunstvolles, bis 1982 bestehendes Portalensemble. Die einzelnen Motive nahmen Bezug auf die Funktion des historischen Spitalgebäudes und bildeten die Hauptakzente des Vestibüls. Zum einen die beiden von Wilhelm Widemann um 1897 geschaffenen Engelskulpturen „Die Gnade“ und „Die Wahrheit“. Da die Engel Modelle für monumentale, fünf Meter hohe Kupferskulpturen am Berliner Dom waren, hatte Widemann sie nicht in Metall, sondern in Gips modelliert, mit Schellack überzogen, anschließend geschwärzt und stellenweise goldfarben bronziert. Die Engel symbolisieren zwei der insgesamt sechs sog. Herrschertugenden (Tapferkeit, Mäßigung, Gerechtigkeit, Gnade, Wahrheit, Weisheit). In antike Gewänder gehüllt, schwungvoll geflügelt und mit Lilien (Gnade) und Fackel (Wahrheit) als Attribute ausgestattet, begrüßten sie von erhöhtem Sockel aus den durchschreitenden Passanten. Die Modelle zu diesen Figuren durfte Widemann nach ausdrücklicher Genehmigung durch Kaiser Wilhelm II den Gmündern zum Geschenk machen. Zum anderen die beiden von Moritz Röbbecke gefertigten Gemälde „König Rudolf von Habsburg“ sowie „Christus heilt die Kranken“. Die beiden gewaltigen, je 2,65 x 3,35 m großen Bilder entstanden 1903 und 1906 und erinnern an den Schutzbrief des Königs für das Spital im Jahr 1281. Auf dem ersten Gemälde überreicht König Rudolf I. von Habsburg am 3. September 1281 den von ihm ausgestellten Schutzbrief für das Gmünder Spital – hoch zu Ross, von Publikum aus dem Volk und von den Spitalbrüdern umgeben und vor der Kulisse der Johanniskirche und dem fernen Rechberg agierend. Das zweite Gemälde illustriert eine Szene aus dem Markusevangelium, nach der Christus die Kranken heilt. Beide Bilder sind von Röbbecke mit Blick auf eine Fernansicht hin in historisierendem bzw. „altmeisterlichen“ Stil gemalt.
Nachdem das Hospital am unteren Marktplatz nach rund 720 Jahren aufgelöst wurde, verloren die Kunstwerke ihre Bedeutung und wurden entfernt: die Engel 1982 und die Gemälde 1987. Dabei wurden die Engel schwer beschädigt und in ihrem schlechten Zustand im Museum deponiert.
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