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Christian Tepe über Lehárs "Lustige Witwe“ für das Bremer

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Nostalgisches Aroma

Hellmuth Matiasek inszeniert Lehárs „Lustige Witwe“ für das Bremer Theater

Um nicht missverstanden zu werden: Die neue Bremer „Witwe“ wird durch ihren traumvergessenen Inszenierungsrhythmus das Herz jedes empfindungsfähigen Zuschauers erobern: ein Volltreffer der hohen Kunst der leichten Muse mit ganz viel Sentiment und ausgelassenem Spielwitz, mit sehr aparten Kostümen und opulenten Tanzszenen. Eine enttäuschende Ausnahme bleibt da nur die choreographisch stiefmütterliche Behandlung des Chores durch Jacqueline Davenport.

Wenn im letzten Bild aus Hannas Domizil unversehens eine Bahnhofsarchitektur wird (Bühne: Werner Hutterli), nähert sich die Inszenierung einer Art ‚tragischen’ Operette an: Im Hintergrund sieht man Soldaten zu ihren Frontzügen eilen, derweil unter den aufbrechenden Protagonisten eine kalte, nervöse Unruhe um sich greift, in der alle gemütvolle Gefühlsseligkeit versinkt. Aus und vorbei, unwiederbringlich verloren ist die entzückende Welt der Müßiggänger und Flaneure. Schon durch das - ohne Valse-moderato-Peinlichkeiten zelebrierte - Liebesduett „Lippen schweigen“ schimmert eine wehmutsvolle Ahnung solcher Zukunft hindurch, und der Beginn des 2.Aktes gerät im Umfeld des Vilja-Liedes dank der wie in Trance versetzten Hanna von Dunja Simic zum melancholischen Abgesang auf die Schönheit eines weiten Landes namens Pontevedro - sicher der atmosphärische Höhepunkt des Abends.

Eine Klasse für sich bleibt Stefan Klingele, der mit großem Enthusiasmus die Bremer Philharmoniker zu einem ebenso kultivierten wie blühenden Spiel animiert mit geschmeidig hingetupften Begleitfiguren und delikat ausgekostetem Rankenwerk der instrumentalen Kantilenen. Die Zuschauer, von denen einige bei der Premiere gar zu Tränen gerührt gewesen sein sollen, revanchieren sich mit kräftigem Applaus.

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