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Christian Tepe über Verdis La Traviata am Oldenburgischen Staatstheater

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Zeitgemäß ohne Trash-Akrobatik

Verdis „La Traviata“ am Oldenburgischen Staatstheater

Hannu Niemelä übersteigert sein Portrait des Giorgio Germont dagegen ständig ins Fortissimo-Gebrüll mit dem Ergebnis, dass die Figur nur von außen aufgesetzt wirkt, statt aus dem vokalen Ausdruck entwickelt zu werden. Daniel Ohlmann überzeugt dafür trotz angekündigter Indisposition als Alfredo mit geschmeidiger und überlegter Melodieformung. Unter der engagiert-energischen Leitung von GMD Alexander Rumpf bewährt sich das Oldenburgische Staatsorchester als sensibler, rhythmisch versierter Begleiter der Solisten, während die aufwühlenden Zuspitzungen in der Konfrontation von Individuum und Gesellschaft auch instrumental zu wuchtigen Klangeruptionen gesteigert werden.

Christian Tepe über Verdis La Traviata im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg

© Foto: Andreas J.Etter

Es zeugt von der bemerkenswerten Produktivität der Oldenburger Bühne, wenn fast sämtliche Partien aus dem eigenen Ensemble doppelt besetzt werden können. Im Sommer wird das Haus seine neue Verdi-Einstudierung im Stagione-Betrieb am Theater Heilbronn zeigen. Daheim in Oldenburg gerät das Publikum rasch in die Sogkraft der Aufführung und spendet am Ende lang anhaltenden Beifall für alle Beteiligten. Überall spürt man eine starke Identifikation des Publikums mit seinem Haus. Wen wundert’s? Mit dieser „Traviata“ präsentiert Oldenburg die Oper als konkurrenzlose, höchste Potenz des Theaters.

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