| In Wenn sich diese Inszenierung so stark in die Erinnerung einbrennt, liegt das allerdings weniger an solch letztlich doch streitbaren und abstrakt-konzeptionell bleibenden Behauptungen als an der sehr stringenten Personenführung mit ihrer bewundernswerten Musikalität und seelischen Spannkraft. Daran klebt Herzblut! Wie Regisseurin Elisabeth Stöppler die Welt des 19.Jahrhunderts und deren Glauben an das große, starke Gefühl für die Empfindungsweisen von Menschen des 21.Jahrhunderts öffnet, das kündet von dem Ingenium eines kommenden Regiestars.
© Foto: Andreas J.Etter Mit Irina Wischnizkaja in der Titelpartie konnte sich die Regisseurin freilich auf eine unverwechselbare Sängerinnenpersönlichkeit stützen, die ihre Zuschauer und Zuhörer mit jedem Augenblick auf der sinnlichen wie der emotionalen Ebene gefangen nimmt. Allein eine solche Sängerdarstellerin im Ensemble zu haben, ist ein zwingender Grund, die „Traviata“ in den Spielplan zu nehmen. Durch ihren ganz natürlich wirkenden Charme macht Irina Wischnizkaja aus der schwindsüchtigen Dirne den einzigen Menschen mit einem intakten Gefühlsleben inmitten der kranken Gesellschaft. Das findet auch in ihrer vokalen Charakterisierungskunst seinen vollen Widerklang: Ihr strömendes Legato, die belcantische Beseeltheit der Linienführung besitzen selbst im höchsten Schmerzensausdruck immer noch etwas von der Leichtigkeit und Unbeschwertheit eines Vogelflugs.
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