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Christian Tepe über La Traviata 2

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion


"Traviata: Frauenmythos, Gesellschaftskritik und Utopie"

Michel Parouty: Verdis Meisterwerk La Traviata

Verdis Allegorie über die Zerstörung von Subjektivität durch einen inhuman organisierten Gesellschaftskontext ergreift um so heftiger die Herzen der Menschen, als der Maestro die musikalische Charakteristik des Opfers mit Zügen verwoben hat, durch die die Utopie eines anderen von Sensitivität, Gewaltlosigkeit und Zärtlichkeit geprägten, quasi femininen Menschentums hindurchschimmert. Zu diesem Feminitätsaspekt bemerkt Hubert Stuppner unter Hinweis auf Violettas Parlante-Gesang und dessen stets allmähliche und sinkende Bewegungsmodi: „Das Tendenziöse an Traviata ist ihre seufzende Aufdringlichkeit. Diese Aufdringlichkeit ist dekadent, da sie der Sinnlichkeit und mit ihr der Desublimation in die Hände arbeitet. (…).

Diese Desublimation von Musik ist zugleich ihre Weiblichkeit, da sie sympathiegebunden an die Zärtlichkeit, auf jene Möglichkeit sinnlicher Konkretion verweist, die die von Frauen ist.“ Die Identität von Leidensausdruck und Schönheit, mit der Violettas Gesang einerseits das Schicksal der „aus der Bahn Geworfenen“ kommentiert, andererseits aber das gesellschaftliche Bedingungsgefüge dieses Schicksals schon ahnungsvoll in Richtung auf eine neue befriedete und glückhaftere Gattungsidentität des Menschen durchbricht, ist der entscheidende ästhetische Gradmesser für eine gelungene kunstgerechte Interpretation der Titelfigur sowohl in musikalischer als auch in darstellerischer Hinsicht.

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