| Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion
Verhängnisvolle Liebe einer Treibhauspflanze
Andrej Woron inszeniert „Rigoletto“ am Bremer TheaterIn George Stevens findet die Paraderolle des Rigoletto eine ideale Verkörperung. Stevens verfügt über die genau richtige Mixtur von Stimmkraft und Gesangskultur, um dem immensen Leidensdruck der Figur ein packendes vokales Profil zu verleihen. Seine Herangehensweise an die Rolle ist ein einziges mächtiges Crescendo der seelischen Verwundungen und Herzensnöte. Den Herzog meistert Emmanuel di Villarosa, darstellerisch nicht unbedingt der Libertin, mit Grazie und ohne Kehlkopfprotzerei. Yaroslava Kozina macht als kokettes Flittchen Maddalena Furore. Kristjan Moisnik mimt als Sparafucile ein sinistres Alter Ego des Titelhelden.
Zu den bemerkenswertesten Entdeckungen des Bremer Musiktheaters in der letzten Zeit gehört Jennifer Bird. Es ist eine ungetrübte Freude dieser Spezialistin für ausgefeilte Charakterstudien zuzuhören und zuzuschauen.
Bewunderungswürdig, wie sie mit duftiger Pianokultur empfindungsdurchglühte melodische Linien formt, die Kadenzen individualisiert und ebenso schauspielerisch mit nie nachlassender Lebendigkeit feinsten Seelenregungen nachspürt. Das schließt auch eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit der Sängerin ein - von ihrem ersten, gemüthafte Komik versprühenden Auftritt bis zur Schlussszene, in der sie das ganze Mitleid der Zuschauer für Gilda mobilisiert. Nach fast einem Jahr beehrt GMD Lawrence Renes die Oper wieder mit einer eigenverantworteten musikalischen Neueinstudierung. Er schwächt die emotionale Dauerspannung von Verdis Musik deutlich ab und sorgt für einen fast dezenten, aber nicht farblosen, überaus sängerfreundlichen Orchesterklang.
Das Publikum ließ sich rasch begeistern, spontane Bemerkungen wie „Das ist ja total Klasse!“ begleiteten die Vorstellung. Endlich scheint auch vor Ort die dem Haus in diversen Kritikerumfragen erst jüngst wieder bescheinigte Spitzenqualität voll anerkannt zu werden
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