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Christian Tepe über Rigoletto“ am Bremer Theater

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Verhängnisvolle Liebe einer Treibhauspflanze

Andrej Woron inszeniert „Rigoletto“ am Bremer Theater

Verdis „Rigoletto“ als Geschichte einer gescheiterten Frauenemanzipation, das ist gewiss keine revolutionäre Neudeutung. Aber die Produktion gefällt durch Andrej Worons Fähigkeit eine operngerechte Realität sui generis auf die Bühne zu zaubern. Und dank der beiden faszinierenden Sängerdarsteller George Stevens (Rigoletto) und Jennifer Bird (Gilda) wird die Aufführung zu einem richtig großen Opernabend.

Die Verpflichtung Worons als Regisseur sowie Bühnen- und Kostümbildner in Personalunion erweist sich abermals als eine Bereicherung der Sehgewohnheiten im Musiktheater. Woron ist ein detailverliebter Virtuose, wenn es darum geht, die phantastische (Alb)traumwelt der Oper mit Witz und einer unverwechselbaren, sinnfälligen Bühnenraumsprache in Schwingung zu versetzen. Am glücklichsten gelingt ihm das in Bezug auf Gilda. So fallen etwa zu Beginn des zweiten Bildes zwei Palmen ins Auge, die sich aus der Baracke Rigolettos auf der Rückseite des herzöglichen Vergnügungsschiffes ihren Weg durch harte Wellblechpanzerung ins Freie erkämpft haben. Das Innere dieser Behausung wird wenig später als üppiges Treibhaus-Biotop der unterdrückten Natur Gildas sichtbar. Das hat Sentiment und zärtlich hintersinnigen Humor.

Viele gute Ideen summieren sich allerdings nicht zwangsläufig zu einer völlig überzeugenden Inszenierung. Wohl eröffnen die wechselnden sozialen Identitäten des Herzogs viele Gelegenheiten zu ulkigen Situationsarrangements und beschreiben treffend den willkürlichen Feudalcharakter, doch vermisst man manchmal den Blick in die Abgründe der Gesellschaft und der Seelen. Der neckische Einfall wird oft zu sehr zum Selbstzweck. Unter diese Rubrik fallen ganz sicher die beiden vom Putzwahn infizierten Rockerladies aus der Umgebung des Herzogs. Erst mit dem großartig angelegten Finale führt Woron das absurde Stück direkt auf den Kern seiner menschlichen Tragik zurück, wenn Rigoletto seine aus dem Sack sich entwindende Tochter im Moment ihres Todes brüsk vorwurfsvoll abweist, noch in der Katastrophe unfähig, das Mädchen als freien Menschen zu akzeptieren..

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