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Christian Tepe über Puccinis Tryptichon in Oldenburg

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Von der Sehnsucht nach einem besseren Leben

Viel Opernglück mit Puccinis Triptychon in Oldenburg –
aber Niedersachsens Kulturpolitik riskiert den Theaterstandort

Über Puccinis Musik ist immer wieder behauptet worden, sie entbehre der zentralen Idee, der transzendenten Sinndimension, wie sie jedes wirklich erstrangige Kunstwerk auszeichne. Sein 1918 uraufgeführtes Operntryptichon, bestehend aus den Einaktern "Il tabarro", "Suor Angelica" und „Gianni Schicchi“ widerlegt diese Auffassung gründlich. „Il trittico“ stellt die Menschen als Glückssuchende, als unentwegt Hoffende vor – gerade in der Not und sogar noch im Untergang.

"Ariane Arcoja (die Fürstin) und Nina von Möllendorff
(Schwester Angelica) in 'Suor Angelica'"
Foto: Joachim Hiltmann.

Mit ihnen sympathisiert Puccinis Musik; sei es Giorgetta aus „Il tabarro“, die der Alltagseinförmigkeit, in die ein kurzes Leben zu verrinnen droht, durch eine außereheliche Beziehung zu entkommen trachtet, sei es andererseits ihr alternder Gatte Michele, der sich verzweifelt gegen den Liebesentzug durch seine Frau auflehnt, sei es die um ihr totes Kind trauernde Schwester Angelica, die ihren Schmerz der Gefühlskälte ihrer Familie entgegenstellt oder seien es schließlich Lauretta und Rinucchio, das junge Paar aus „Gianni Schicchi“, das in einer Welt alles beherrschender Geldanbetung noch an die Liebe glaubt. Was die Menschen trägt, was sie seelisch am Leben erhält, ist ihr Traum von einem besseren Dasein. Dieses Wissen, dass das Leben Größeres verspricht als das bloße Überleben, diese jederzeit von Schicksalsergebenheit und Selbstaufgabe gefährdete Intention auf Glück und Erfüllung beschwört Puccini im Tryptichon vor dem Hintergrund einer resignativen Grundstimmung noch einmal in kurzatmigen, sehnsuchtsdurchzitterten Melodiebögen.

Die Neuinszenierung der drei Opern-Einakter am Oldenburgischen Staatstheater zielt besonders durch das Bühnenbild auf den gemeinsamen Ideenkern des Triptychons ab. Claudia Jenatsch hat eine ebenso suggestive wie ausdrucksstarke variable Einheitslösung für alle drei Werke gefunden. Eine klaustrophobe abweisende Architektur umschließt die Szene (etwa als Kai in „Il tabarro“ oder als Klostergemäuer in „Suor Angelica“), aus der sich im Verlauf der Stücke aber stets Ausblicke auf „utopische Orte“ ergeben. Letztere stehen für die Träume der Protagonisten ein und visualisieren die musikalischen Hoffnungsfenster, für die Puccini die Gesangspartien seiner Helden und Heldinnen offen gehalten hat.

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