| Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion
Das gelobte Land der Freiheit bleibt eine Illusion In Essen läuft Puccinis Oper "La fanciulla del West" dem Kino den Rang abMit Noblesse zelebriert Stefan Soltesz am Pult der Essener Philharmoniker die an musikalischen Kostbarkeiten überreiche Partitur, die auf das Glücklichste Puccinis Sinn für theaterwirksame Effekte mit einer neuen Lust des Komponisten an musikalischen Innovationen vereint. Mit analytischer Klarheit und sinnenschmeichelndem Sentiment, die sich in Soltesz' Dirigat zu keinem Zeitpunkt gegenseitig ausschließen, präsentiert der Essener Opernintendant und GMD den verblüfften Ohren der Puccini-Liebhaber eine für den Komponisten der Bohème und der Butterfly bis dahin höchst ungewöhnliche Harmonik, die nur so strotzt von Quartenfolgen, Sekundlagen und durch Alteration verwickelte Umlagerungen aller Arten von Septimenakkorden. Akribisch lotet Soltesz Puccinis Experimente mit unfixierten Tonhöhenangaben besonders in den Partien der Goldgräber aus und widersteht der Versuchung zu einer nachträglichen, 'melodisierenden' Glättung.
Erheblichen Anteil am großen Erfolg des Abends hat das auch darstellerisch ausgezeichnete Solistenensemble mit Wolfgang Brendel als Sheriff Jack Rance, Mikhail Davidoff als Dick Johnson und der jungen Francesca Patané als Minnie. Frau Patané ist eine Ausnahmekünstlerin, wie sie nur die Gattung Oper hervorzubringen vermag, eine Ausnahmekünstlerin, deren Gesang von einem eminenten seelischen Ausdruckswillen getragen wird, eine auratische Sängerdarstellerin, die eine puritanische Erfindung, wie die pistolenschwingende und Bibelunterricht erteilende, sinnlich-keusche Wirtin Minnie, die "ihren ersten Kuß noch zu vergeben hat", in ein hinreißendes Mädchen verwandelt, welches das Publikum bezaubert.
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