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Christian Tepe ueber Pucccini-Aufführung in Essen

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Das gelobte Land der Freiheit bleibt eine Illusion
In Essen läuft Puccinis Oper "La fanciulla del West" dem Kino den Rang ab

Schon in seinen Anmerkungen zu "Tosca" diagnostiziert Csampai mit Blick auf die cineastischen Accessoires dieser Oper, wie Kanonendonner und Gewehrsalven, die sich allmählich abzeichnende Ablösung der Gattung Oper durch das Kino. Um so mehr scheint dieser Befund auf das im Goldgräbermilieu beheimatete Opus vom "Mädchen aus dem goldenen Westen" zuzutreffen, das von der Liebe der auch vom Sheriff begehrten Bardame Minnie zum Räuber Dick Johnson und vor allem dem hingebungsvollen Engagement Minnies für ihre Liebe handelt. Ein Stoff also, mit dem Puccini in eine ungleich anmutende Konkurrenz zum Kinofilm, der Vollendung des Verismo außerhalb der Oper, geraten ist. Das Essener Aalto Musiktheater tritt mit seiner Neuproduktion von "La fanciulla" den Gegenbeweis zur These von der Historizität der Oper im Zeitalter des Kinos an - und trägt auf ganzer Linie den Sieg davon!

Kein Film und kein Western verfügt - einmal ganz abgesehen von der Präsenz und Unmittelbarkeit des Theatererlebnisses - über jene vierte Dimension, die Puccini dem Goldgräberdrama Belascos mit seiner Musik verleiht. Aus dem Orchestergraben steigen Klänge von herber Melancholie auf, die die harten, oft so brutal agierenden Männer auf der Bühne in ein Licht warmer, verständnisvoller Menschlichkeit stellen; sie geben den Blick frei auf die seelischen Verwundungen dieser sich nach Lebensglück verzehrenden Menschen.

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