| Unter den Solisten der ersten Operngala gaben mit Silvia Hablowetz, Raimund Nolte und Hans Griepentrog drei weitere aufstrebende Sängerpersönlichkeiten ihre Visitenkarten ab. Mit konzentrierter Passion zelebriert Silvia Hablowetz die düstere Dramatik der Erzählung der Azucena „Condotta ell’era in ceppi“ und ihre wohlklingende Suzuki im Blütenduett ist bereits ebenso zur Legende geworden wie die Cio-Cio-San ihrer Partnerin. Raimund Nolte weiß die Arie des Malatesta aus „Don Pasquale“ – „Bella siccome un angelo“ – als elegante Glanznummer zu gestalten, so wie er auch bei der berühmten Arie des Giorgio Germont „Di provenza il mar il suol“ eher auf geschmeidige Melodieformung denn auf Virilität setzt. Über einen furios-markanten Bass verfügt Hans Griepentrog, der mit der Arie des Raimondi „Cedi, ah cedi“ aus Donizettis „ Lucia di Lammermoor“ eine Kostprobe seines sängerischen Könnens gab.
Die diszipliniert-sängerfreundliche Musizierhaltung des Philharmonischen Orchesters unter GMD Peter Kuhn trägt wesentlich zum Erfolg des Abends bei, was keineswegs ausschließt, dass Kuhn nicht auch hinreißende Orchesterräusche zu entfesseln vermag, wie etwa in der Begleitung zum Schlussduett aus „Andrea Chenier“ oder in der feurigen Ouvertüre zu Herolds Oper „Zampa“. Angela Sleemann hat in den letzten Jahren den Chor und den Extrachor immer wieder zu großen Erfolgen geführt, zuletzt in „La Traviata“ und „Jenufa“. Die bekanntlich ungünstigen akustischen Verhältnisse im Theaterbau am Niederwall verhinderten dieses Mal (durch die Platzierung des Chores auf der Hinterbühne?), dass der Gefangenenchor aus Nabucco und der Zigeunerchor aus dem Troubadour auch alle Zuschauerplätze in voller Klangpracht erreichten. Erst als der Herrenchor am Ende des Abends zur Stretta des Manrico an der Bühnenrampe postiert wurde, konnte sich jeder einen Eindruck über das derzeit hohe Leistungsniveau des Chores verschaffen. In einem weiteren Galaabend mit den Schwerpunkten französische Oper des 19. Jahrhunderts, Mozart und Verdi sind u.a. Melanie Kreuter, Silvia Hablowetz und Luca Martin am 12. und 24. Juli zu hören.
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Christian Tepe.
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