Für Karine Babajanyan, die zur nächsten Saison an die Württembergische Staatsoper Stuttgart wechselt, war die Operngala zugleich ihr Abschied vom Bielefelder Publikum. In dieser Saison hatte sie ihre Zuhörer als Cio-Cio-San mit vollendetem Puccini-Glück in ihren Bann gezogen und sich mit ihrer Jenufa zugleich als prädestinierte Janáèek-Sängerin empfohlen. (Mit Verlaub: auch die Titelpartie aus Janáèeks „ Katja Kabanowa“ würde ihrer Stimme mit dem unverwechselbaren „herb-süßen“ Timbre prachtvolle Entfaltungsmöglichkeiten bieten…).
Mit „Casta diva“ hielt Babajanyan ein ausgesuchtes Abschiedspräsent für die Bielefelder bereit: Auf dem Fundament einer profunden Koloraturtechnik mit perfektem Portamento erweist sich die virtuose Sopranistin hier einmal mehr als Gesangsmagierin, die in ihrem Vortrag durch die Einheit von psychologischer Genauigkeit des Leidensausdrucks und Transzendenz im Sinne einer utopischen Seelengröße die volle Faszinationskraft des Belcanto erschließt. Zu einem sublimen Exemplum akribischer seelischer Durchdringung gedeiht auch Babajanyans Troubadour-Leonora mit ihrer berückenden Version von „Tacea la notte placida“. Die häufig wehmütig gefärbte Emotionalität im Umkreis des Verismo entreißt Babajanyan der Gefahr der Sentimentalisierung durch eine stets spontan wirkende Transparenz des Gefühls, sei es als elektrisierende Maddalena im Schlussduett aus Giordanos „Andrea Chenier“, sei es als in sanfte Trauerstimmung entrückte Wally in der von der Kulturindustrie beinahe zu Tode zitierten Arie „Ebben? Ne andrò lontano“ aus Catalanis „La Wally“. Kein Zweifel: Karine Babajanyan hat in ihren drei Bielefelder Jahren die ruhmreiche Gesangstradition des Hauses um ein zentrales Kapitel bereichert!
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