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Christian Tepe über Kluges Opernführer

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion


"Die Oper – utopisches Gewissen der bürgerlichen Gesellschaft
Alexander Kluge: Facts & Fakes 2/3. Herzblut trifft Kunstblut. Erster imaginärer Opernführer.

Alexander Kluge: Facts & Fakes 2/3. Herzblut trifft Kunstblut. Erster imaginärer Opernführer. Fernseh-Nachschriften. Herausgegeben von Christian Schulte und Reinald Gußmann. Verlag Vorwerk 8. Berlin 2001, 168 Seiten, Euro 19.-
Man mag sich kaum etwas dem Musiktheater Unangemesseneres vorstellen als die traditionellen Opernführer mit ihrer Tendenz der buchhalterischen Zerlegung glühender affektgesättigter Opernstoffe in leere Informationen. Zu diesen sich der Aufgabe der Entkernung der Opern widmenden Opernführern hält Alexander Kluge mit seinem „ersten imaginären Opernführer“ aus der Reihe „Facts & Fakes“ nur auf parodistische Weise Kontakt.

Kluges Opernführer wartet nicht mit kruden Inhaltsangaben und abgestandenen Bemerkungen zu den musikalischen ‚Hits‘ der besprochenen Werke auf, sondern nähert sich seinem Gegenstand mit den ästhetischen Mitteln der Gattung Oper selbst an: Bei der Gestaltung seines Collageessays über die Oper macht sich Kluge deren „sinnliche Kraft, den Geist zu wecken, ohne dabei den Verstand zu gebrauchen“ (Csampai/Holland) zu eigen. Das Buch stellt ein Mosaik aus authentischen und fiktionalen Interviews, Zitaten, Kurzkommentaren, Illustrationen und Fotographien dar. Die assoziativen Gedanken- und Eindruckssplitter dieses Kaleidoskops kommentieren sich gegenseitig und schießen bei der ‚Lektüre‘ immer wieder zu blitzhaften Erkenntnissen über das Wesen der Oper zusammen.

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