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Christian Tepe über Vincenzo Bellinis "Norma" in Bielefeld

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Zwei hochherzige Frauen

Vincenzo Bellinis „Norma“ in einer konzertanten Aufführung am Theater Bielefeld

Um die Norma Babajanyans ist ein gleichfalls glänzend aufgelegtes Solistenensemble geschart. Ki-Chun Park als Pollione widersteht der Verlockung, die charakterliche Vulgarität des römischen Prokonsuls durch eine auftrumpfende vokale Vulgarität noch zu unterstreichen. Mit makellos geformten, innig leuchtenden Melodiebögen bereichert Anna Manasyants (Adalgisa) die terzenseligen Duette mit Norma zu einem wunderbar empfindsamen Gesang zweier hochherziger Frauen. Kultiviertes Stilgefühl ohne Posen lässt bei dem Oroveso Michael Bachtadzes aufhorchen. Und auch die von Hagen Enke gut präparierten Chöre überzeugen durch ihre dramatische Eloquenz.

Keine Spur von „Pauvretät“ trübt die prächtige Italianità des Orchesterklangs: GMD Peter Kuhn und das Philharmonische Orchester strafen alle Vorurteile über die Dürftigkeit der Orchesterbehandlung bei Bellini Lügen. Der Melancholie der zeitlos wiegenden Begleitfiguren verleihen sie dezent-echtes Sentiment: Schlichtheit bedeutet eben keineswegs Banalität. Ob dynamische Spannungsverläufe, markante Stimmungsumbrüche oder gar impressionistische Valeurs wie im Schlussteil der Ouvertüre, stets treffen Kuhn und die Philharmoniker den volkstümlichen Ton spezifisch südländischer Lust an der Klangsinnlichkeit.

Das mit sängerischen Spitzenleistungen traditionell verwöhnte Bielefelder Publikum ließ sich in der Rudolf-Oetker-Halle, dem Ausweichquartier für das in der Sanierung befindliche Stadttheater, zu frenetischem Beifall, stehenden Ovationen und anhalten Bravostürmen hinreißen.

Christian Tepe

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