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Christian Tepe über Wolfgang Rihms Die Eroberung von Mexiko

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Genozid im Freizeitpark

Enttäuschend: Wolfgang Rihms „Die Eroberung von Mexiko“ an den Städtischen Bühnen Münster

Eine leider unfreiwillige Parodie auf Wolfgang Rihms Idee eines „Theaters aus dem Körper des agierenden Menschen“ - mehr ist zumindest szenisch nicht herausgekommen bei dem Versuch der Städtischen Bühnen Münster, „Die Eroberung von Mexiko“ auf die Bühne zu stemmen.

Wo Rihm auf Textsplitter Antonin Artauds mit einem ekstatischen Musikritual die Entdeckung der Neuen Welt und ihre Folgen als Inbegriff des aggressiven (Selbst)zerstörungspotenzials der ratiozentrierten abendländischen Zivilisation dekuvriert, da kolonialisiert Regisseur Peter Beat Wyrsch das Rihmsche Musiktheater-Archipel mit einer in gigantische Größenverhältnisse aufgeblasenen Otmar-Alt-Ausstellung. Diese präsentiert ein hübsches Puzzele naiv-abstrakter, farbenfroher Plastiken und Figuren: Genozid und Ökozid im Disneyland-Format.

Otmar Alt, verantwortlich für Bühne und Kostüme, hat die Spieler und Sängerdarsteller derartig überladen und bewegungsfeindlich verpackt, dass sie fast nur noch über ihr Blickverhalten agieren können. Das scheint dem antipsychologischen und antirhetorischen Theaterverständnis Artauds nahe zu kommen, schneidet die Spieler tatsächlich aber von jeder Möglichkeit einer räumlich-dynamischen Körperemanation ab. „Den Raum sprechen lassen“, diese Forderung Artauds veranlasst Wyrsch äußerstenfalls dazu, einen mit Schleichschritten durch das Parkett tappenden Bewegungschor aus Laiendarstellern aufzubieten.

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