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Christian Tepe über Lady Macbeth von Minsk

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Ein Frauenleben als erniedrigende Höllenfahrt

Christian Tepe über Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ am Bremer Theater


Mit Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ wagt sich das Bremer Theater an eine Meisteroper der klassischen Moderne von absolutem ethischen Rang. Das Stück ist die russische Variation über eines der ganz großen Themen der Oper überhaupt, nämlich das Skandalon einer liebenden Frau in einer lieblosen, von krudem Nützlichkeitsdenken beherrschten und in ihrer Gefühlskultur oberflächlichen bis grausamen Gesellschaft. Bei Schostakowitsch erfährt diese archaische Passionsgeschichte sowohl der Handlung als auch dem musikalischen Inhalt nach eine drastische Zuspitzung.

Die unglücklich verheiratete Kaufmannsfrau Katerina Ismailowa besteht in der verrohten, patriarchalen Gesellschaft des zaristischen Rußlands auf ihren persönlichen Glücksanspruch und wird, als sie die Möglichkeit seiner Erfüllung in ihrer Liebe zum Angestellten Sergej gekommen sieht, zur Mörderin zunächst des tyrannischen Schwiegervaters und sodann
(gemeinsam mit Sergej ) ihres die Liebenden überraschenden Ehemanns. Nach der Aufdeckung der Verbrechen werden Katerina und Sergej zur Zwangsarbeit verurteilt. Während des Gefangenentransports erniedrigt Sergej Katerina mit einer neuen Geliebten. Katerina tötet die Rivalin und sich selbst.
In vorbehaltloser Solidarität mit seiner Heldin – „Ich wollte diese Frau als hoch über ihrer Umgebung stehend zeigen“ – hat Schostakowitsch aus Ljeskows Novelle ein leidenschaftliches musikalisches Plädoyer für Weiblichkeit, Subjektivität und Liebe geformt: Während er seiner Katerina in ihrer Sehnsucht und Verzweiflung ergreifende Töne von höchster Gefühlswärme schenkt, setzt er fast alle übrigen Figuren Klängen voller zornig-beißendem Spott aus.

Konstanze Lauterbach findet in ihrer Inszenierung, wenn sie die Zerstörung von Frauen durch die patriarchal-gewaltlüsterne Gesellschaft und die Widerfahrnisse Katerinas in ihr darstellt, szenische Lösungen von traumatischer Eindringlichkeit, die geeignet sind, die Rezipienten aus der ästhetischen Distanz herauszureißen. Hierzu gehören die einer Hinrichtung nachempfundene Vergewaltigung Axinjas oder der zwischen ‚Irrenanstalt’ und Straflager angelegte, wie ein schwerer Alpdruck lastende Schlußakt.

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