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Christian Tepe über Verdis "Un ballo in maschera"

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Der König amüsiert sich zu Tode

Prädikat "besonders hörenswert" für Verdis "Un ballo in maschera" in Bielefeld

Gefeiert wurde vom Publikum aber auch ein weitgehend glänzend aufgelegtes Sängerensemble. Das für seine Gesangskultur überregional bekannte Haus hat für diese Produktion gleich vier Gäste eingeladen. Karine Babajanyan singt ihr Rollendebüt in der Partie der Amelia bei berückender Tonschönheit mit einer emotionalen Dringlichkeit von höchster dramatischer Suggestion. Besonders Amelias Sologesang „Ecco l’orrido campo“ ist wie maßgeschneidert für die Aura dieser ganz ungewöhnlichen Stimme. Die Arie und das anschließende Liebesduett bieten Karine Babajanyan reichlich Gelegenheit , die ganze Palette ihrer pulsierenden vokalen Phantasie mit bezwingend unmittelbarer Wirkung einzusetzen. In ihrer Interpretation der Amelia gibt es keine Phrase, keinen Ton, der nicht von lebendiger innerer Sinngebung beseelt wäre. Franceso Petrozzi ist vor dem Hintergrund des allgemeinen Mangels an ansprechenden Tenorstimmen für das italienische Fach ein Gewinn, für sich genommen wirkt sein Schwedenkönig am Premierenabend dennoch zu monochrom und zunehmend angestrengt. Brillianz und Dämonie vereinigt Yanyu Guo in ihrem Ulrica-Portrait. Vladimir Chmelo gestaltet einen Anckarström von kraftvoll baritonaler Ausstrahlung, während Victoria Granlund als Oscar ihren geschmeidigen Sopran zum Festglanz der Hofszenen beisteuert. Michael Bachtadze und Hans Griepentrog fungieren als die Intriganten Graf Horn und Graf Ribbing. Doch was wäre eine so prachtvolle Oper ohne den Chor ? Angela Sleeman hat Chor und Extrachor mit großer Sensibilität für die dynamischen Feineinstellungen zu einem warmen und fülligen Verdi-Klang geführt. GMD Peter Kuhn und das Philharmonische Orchester setzen kraftvolle Impulse und finden im minutiös modellierten instrumentalen Filigran zu überaus delikaten Wirkungen.

Für das wiederum vorbildlich auf die aktuelle Produktion bezogene Programmheft zeichnet Martin Essinger verantwortlich. Zu den Gewohnheiten des Dramaturgen gehört es auch, sehr informative, stets mit Spannung erwartete Hinweise zu CD-Einspielungen des jeweiligen Werkes zu geben. Wer jedoch mit dem Gedanken spielt, sich eine der vorgestellten CDs zu kaufen, dem sei ans Herz gelegt, vorher lieber noch ein zweites Mal die Bielefelder Neuproduktion zu besuchen und die Macht schöner Stimmen unmittelbar zu genießen.

Christian Tepe.

Die nächsten Vorstellungstermine:
06., 08. (15 Uhr), 22. (15 Uhr), 26. und 29. Februar.
Servicetelefon des Besucherrings Bielefeld (für auswärtige Besucher): 0521/3298389
Kartentelefon Theaterkasse: 0521/51-5454

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