| Die Bremer Neuproduktion hätte ein großer Theaterabend werden können, wenn nicht die Charaktersierung Lohengrins und in Teilen auch der Hofgesellschaft allzu blass geraten wäre. Lohengrin bleibt eine konventionell-eindimensionale Lichtgestalt, auch wenn Lohengrin-Darsteller Klaus Florian Vogt für das Publikum die Wirkung eines Aphrodisiakums hat. In Piero Vinciguerras Einheitsbühnenbild mit dem Charme eines Kreistagssitzungssaals tummelt sich eine operettenhafte ‚feine’ Gesellschaft – zum Schluss gar am Spieltisch. Wo allerdings demonstriert werden soll, wie Wagners Präferierung des echten Gefühls vor „der morastigen, brodelnden Schwüle der trivialen Sinnlichkeit (…) des Lebens der modernen Gegenwart“ (Wagner) eine Konstellation mit Wiedererkennungswert für das zeitgenössische Leben bedeutet, reichen solche formelhaften Ansätze und ein paar alberne Späßchen nicht.
Bremens GMD Lawrence Renes zielt mit seinem Sängerensemble auf einen Wagner-Wohllaut, der die Entgegensetzung von italienischem Belcanto und deutschem Wagner-Gesang als überholt erscheinen lässt. Klaus Florian Vogt gibt als ‚Wagner-Belcantist’ mit klangschönem, warmen Tenor-Samt der mystischen Entrücktheit der Lohengrin-Figur charakteristischen Ausdruck. Birgit Egers Elsa enttäuscht zunächst mit einem Gebet ohne visionäre Kraft, bevor sie im 2.Akt im Duett mit Ortrud, das zu den musikalischen Höhepunkten des Abends zählt, zu großen Momenten von berührendem sängerischen Adel findet. Mit Ruth-Maria Nicolay steht ihr eine Ortrud von exzellenter dramatischer Intensität und Gestaltungskraft zur Seite. Andreas Hallers Portrait des Königs Heinrich ist geprägt von stimmlicher Sicherheit. Eine Klasse für sich sind die ausgezeichnet disponierten, von Thomas Eitler für ihre gewaltigen Aufgaben präzise vorbereiteten Chöre.
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