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"Die Stärke des Gefühls" Ergreifende Version von Janaceks Jenufa in der Inszenierung von Aron Stiehl am Theater BielefeldAm Ende entschließen sich beide für einen gemeinsamen Lebensweg. Ihre Zukunft bleibt offen. Die Modernität der musikalischen Bearbeitung des Stoffes durch Janacek besteht darin, die unmittelbaren Verursacher von Jenufas Leid nicht zu richten, sondern vielmehr die Verselbständigung des gesellschaftlichen Moral- und Sittenkodexes gegenüber allen Gesellschaftsmitgliedern aufzuzeigen. ‚Verstehen statt urteilen’ könnte man die Maxime des Komponisten umschreiben. Wenn sich auch die historischen Erscheinungsformen im andauernden Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft wandeln, seine Grundkonstellation, die Gefährdung und Beschädigung menschlichen Glücks durch gesellschaftliche Zwänge, die sich von vornherein tief im Selbstverständnis der Menschen sedimentiert haben, bleibt unverändert – ganz abgesehen davon, dass der Kindsmord und die Tabuisierung seiner Umstände nach wie vor dem sozialen Alltag angehören. In diesem Konflikt nimmt Janacek mit seiner Musik Partei für die leidenden Menschen – und das sind alle Mitglieder einer inhumanen Gesellschaft.
Aron Stiehl findet in Bielefeld für diese musikdramatische Gesamtkonzeption eine szenische Realisation von überwältigender Wahrhaftigkeit und Schönheit! Mit seiner dezenten Aktualisierung – Stiehl verlegt die Handlung in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts - , dient der Regisseur ganz dem Geist der Oper, die er so vor jedem folkloristischen Missverständnis schützt. Die Tragödie der Jenufa spielt bei ihm in einem sehr engen Raum (Bühne und Kostüme: Karen Fries), der ‚draußen’ noch einmal von einer hohen Bretterwand umschlossen ist, durch deren Ritzen opak menschliche Schatten erkennbar werden; hier gibt es kein ‚Draußen’, keine Freiheit der Natur gegenüber der anonym-bedrohlichen Allgegenwart der hermetischen Gesellschaft. Die rettende Natur, von der Janaceks Musik so berührend-beglückend suggestiv zu erzählen weiß, befindet sich vielmehr im Innersten der Menschen und in ihren Sehnsuchtsphantasie.
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