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Christian Tepe über Janáèeks Jenufa in der Inszenierung von Aron Stiehl in Bielefeld 1

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion


"Die Stärke des Gefühls"
Ergreifende Version von Janaceks Jenufa in der Inszenierung von Aron Stiehl am Theater Bielefeld

Die ganz große Zeit für die Musik von Leoš Janáèek, dem Opern-Titanen aus Mähren, ist vielleicht erst jetzt, mit dem Zeitalter der Vorherrschaft der modernen Informationstechnologien im Lebensalltag der Menschen angebrochen. Vor dem Hintergrund einer auf die Spitze getriebenen Selbstentfremdung des Menschen durch die neuen unpersönlichen Kommunikationsformen in künstlichen Welten und dem damit drohenden Verlust differenzierter Empfindungsfähigkeit durch die zunehmende Verschüttung allen unmittelbaren menschlichen Ausdrucks besitzt gerade Janaceks musikalische Ästhetik der stilisierten Sprachmelodie, deren Affektgebärden das Ausgangsmaterial seiner Opernschöpfungen bilden, eine besondere Aktualität: Indem sich diese Musik bis zu den elementaren Ausdruckswerten konkreten menschlichen Erlebens vorgetastet hat, zerreißt sie den hässlichen Schleier, mit dem der Alltag in der technisierten Welt das Seelenleben der Menschen verhängt hat.

Karine Babajanyan, Primadonna

Karine Babajanyan, Primadonna
aus Bielefeld, gehört ab der Spielzeit 2003/04 dem
Ensemble des Staatstheaters Stuttgart an.

Am Theater Bielefeld hatte nun mit „Jenufa“ der erste Teil einer groß angelegten Janacek-Ehrung Premiere, die in der kommenden Saison zum 150.Geburtstag des Komponisten mit „Katja Kabanowa“ fortgesetzt werden wird. Die 1904 uraufgeführte „Jenufa“ gilt als das erste Werk, in welchem der unverwechselbare Personalstil des Komponisten zur vollen Eigenart ausgereift ist. Die Geschichte Jenufas scheint auf den ersten Blick historischen Charakter zu haben; es ist die Geschichte einer jungen Frau im dörflichen Milieu gegen Ende des 19.Jahrhunderts, die ein uneheliches Kind austrägt, das von ihrer Stiefmutter, der Küsterin, ermordet wird, um sich und ihre Stieftochter vor der gesellschaftlichen Ächtung zu bewahren. Nur von Laca, dem Rivalen des Vaters ihres Kindes, der ihr einst aus Eifersucht mit einem Messer die Wange aufgeschlitzt hatte, erfährt die entsetzlich gedemütigte Jenufa Zuwendung und Liebe.

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