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Christian Tepe über Wagners "Holländer" in Osnabrück

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Schwierigkeiten mit der Erlösung

Bayreuth in Osnabrück: Wagners „Holländer“ an den Städtischen Bühnen

Hilchenbach inszeniert das alles insgesamt schlüssig, augenschmeichelnd und in den Buffoszenen überaus kurzweilig. Indes hält er sich an eine Konzeption, die für das Jahr 2005 nichts riskiert, die nicht die überfällige Frage nach der Erlösungsthematik im Ganzen neu zu stellen wagt. Mit diesem Einspruch soll keineswegs einer simpel verklärenden Mystifizierung oder gar Wagners fragwürdigem Frauenbild das Wort geredet werden. Aber verdient nicht der utopische Gedanke, dass in einer heillosen Welt doch Rettung möglich ist, und zwar durch Hingabe (Senta) sowie Erkenntnis und Selbstüberwindung (Holländer), verdient nicht dieser Gedanke in einer dem Frühkapitalismus des Jahres 1841 in mancher Hinsicht verwandten Zeit mehr prüfende Wertschätzung?
Zu einem großen Erfolg wird die Produktion besonders auch durch ihre musikalischen Qualitäten. GMD Hermann Bäumer hat sich mit diesem „Holländer“ endgültig in die Herzen der Osnabrücker dirigiert. Das Orchester spielt leidenschaftlich und doch präzise, rauschhaft aufschäumend und dabei stets kontrolliert. Aus der hochdramatischen, durch wohldosierten Rubatoeinsatz gezielt intensivierten Ausdrucksspannung heraus flutet Bäumer das musikalische Material immer wieder zu erhabenen Klangflächen. In schier überirdischer Schönheit leuchten die instrumentalen Farben.

Glanz wird der Aufführung außerdem durch eine vom Publikum ebenfalls mit Jubel honorierte herausragende Ensembleleistung zuteil. Majken Bjerno (Senta) fesselt darstellerisch mit einem expressionistischen Impetus und vokal mit berückend duftigen Nuancen. Im Finale des 2. Aktes fehlt es ihrem Gesang allerdings an der sicheren Vollhöhe. George Gagnidzes Holländer imponiert durch markige Robustheit und Vitalität, was bei ihm lyrische Akzente keineswegs ausschließt. Ausgezeichnet besetzt sind auch die übrigen Rollen, so etwa Ralph Ertels Steuermann mit einnehmend kantabler Melodieformung oder der Daland Michael Tews mit feiner Ironie für die Reste italienischer Opernkonvention in seiner Partie. Opernchor und Extrachor der Städtischen Bühnen singen mit kraftvoller Fülle und dramatischer Agilität ohne aufgesetzten Überdruck.

Christian Tepe.

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