| Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion
Wild, schlau und unschuldig
Andrej Woron inszeniert am Bremer Theater die Abenteuer von Janáceks anarchistischer Füchsin"Für den Wald und zum Troste meines Alters" komponierte Janácek die Abenteuer der Füchsin Bystrouska – in Deutschland bekannt unter dem verharmlosenden Titel „Das schlaue Füchslein“. Auf uns, die wir die Idee einer Versöhnung mit der Natur nach einer Episode des schlechten Gewissens in den 70er und 80er Jahren heute wohl endgültig preisgegeben haben, kommt die Oper wie eine unverdiente Gnade. Folgerichtig versagt Ausstatter und Regisseur Andrej Woron am Bremer Theater dem Publikum die entlastende Apotheose einer sich ewig erneuernden Natur, wie sie Janácek komponiert hat. Die Prospekte, aus denen Woron einen opaken baumlosen Waldtunnel gebaut hat, heben sich am Ende, um den fast kahlen Bühnenraum freizugeben. Zur Feier der Natur fährt ein Präparator ausgestopfte Tiere aus dem Naturkundemuseum herbei. Das Erlebnis der Einheit mit der Natur bleibt Schein. Der geistesabwesend suchende Blick des Försters schweift eher verunsichert als glücklich in die Weiten des Zuschauerraums. Durch den Widerspruch zwischen dem, was zu hören und dem, was zu sehen ist, entwickelt sich die Schlussszene zu einer schmerzlichen Parabel über die versiegende Regenerationsfähigkeit der Natur.
Von der letzten Rettungsmöglichkeit für uns Menschen aus einer naturlosen und das bedeutet vollständig reglementierten, auf Unfreiheit basierten Welt erzählen in den eineinhalb Stunden vor dem beunruhigenden Finale die Erlebnisse der Füchsin Bystrouska: ihre Gefangenschaft in der Försterei, ihre wieder gewonnene Freiheit, ihr Liebes- und Familienleben, schließlich ihr Tod durch das Gewehr des Wilddiebs Harasta, dem sich dann bald der beschriebene pantheistische Epilog anschließt, in dem sich mit dem Förster einer der menschlichen Protagonisten der Oper mit der Natur aussöhnt.
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