| Doch die Eindeutigkeit seiner Interpretation erkauft der Regisseur mit dem Verlust der Dialektik von Mensch und Natur. Max und besonders Agathe fehlt spürbar die Projektionsfläche für die seelische Weite ihrer Gefühle. Was bleibt von Agathe ohne ihr befreiendes Ausatmen in die Natur? Im dritten Aufzug verharmlost Gedeon die Figur zu einem jämmerlichen „Wachspüppchen“ und nur Bettina Jensens innig leuchtender, schwebender Sopran verrät dann noch, dass es sich bei diesem Mädchen um mehr als eine Karikatur handelt. Mit dankbareren darstellerischen Aufgaben wird Klaus Florian Vogt betraut, der als Max ein humorvolles, differenziertes Bild sensibler Naivität zeichnet - gesanglich mit einem höhensicheren, schmeichelnd samtenen Heldentenor, dem nur noch ein wenig mehr Energie und Intensität zuwachsen müssten.
Was dem Ännchen durch eine überreizte TV-Comedy-Mimik und Gestik an Charme genommen wird, weiß die sich im Laufe des Abends fulminant steigernde Nadine Lehner der Figur in ihrer letzten Arie durch anmutig ausgeführte Fiorituren zurückzugeben. Karl Huml verfügt über einen tragfähigen Bass für den Eremiten, während Ivan Dimitrovs Caspar noch der letzte Schliff virtuoser Parlando-Raffinesse fehlt.
Wenn die Inszenierung mit dem schönen Einfall, am Ende Maxens Gewehr vom Eremiten durch eine Klarinette ersetzen zu lassen, eine Art Anwaltschaft für den Komponisten reklamiert, so liegt diese doch mindestens ebenso sehr in den Händen von Florian Ludwig und den furios leidenschaftlich musizierenden Philharmonikern.
Christian Tepe
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