Im Verlauf der neuen Spielzeit 2002/03 wird das Bremer Theater in das Gebäude des Musicaltheaters am Bremer Richtweg Einzug halten. Auch wenn der Hintergrund der einjährigen Bespielung des Musicaltempels durch die Truppe um Generalintendant Prof. Dr. Klaus Pierwoß der Umbau des eigenen Hauses am Goetheplatz ist, das seine Besucher im Zuschauerbereich z. Zt. noch mit sozialistischem Charme empfängt, so ist dem vorübergehenden Umzug dennoch eine symbolische Bedeutung zuzuerkennen: Über Jahre hinweg hatte der Bremer Senat im Rahmen einer Tourismusoffensive auf die Kulturindustrie gesetzt und den Bau des Musicaltheaters am Richtweg mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt. In kurzer Zeit und unter Einsatz weiterer erheblicher öffentlicher Zuwendungen verschlissen sich hier mit "Jekyll and Hyde" und "Hair" zwei Musical Companies am ausbleibenden Zuspruch der Bremer und ihrer Besucher, während zugleich das vom Kultursenator finanzierte Haus am Goetheplatz mit "Ein Käfig voller Narren" und "Cabaret" die Herzen der Zuschauer eroberte und dem Bremer Theater ein langfristig ausverkauftes Haus bescherte: Gesellschaftspolitische Nachdenklichkeit und Unterhaltung verquickende Musiktheaterkunst triumphierte bei der Abstimmung mit den Füßen über Kommerzmusical.
Das kulturpolitische Lehrstück aus Bremen endet nun vorläufig damit, daß das Bremer Theater im leeren Musicalhaus am Richtweg für die Umbauzeit eine Bleibe finden und mit "My Fair Lady" im Dezember sein eigene neues Musical präsentieren wird. Auf der Ende letzter Woche vom Bremer Theater abgehaltenen Pressekonferenz zur Spielplanpräsentation 2002/03 bezeichnete Kultursenator Dr. Kuno Böse die Musicalkontroverse als "Teil der Vergangenheit" und auch am Goetheplatz ist keineswegs etwa ein Frohlocken über das Scheitern der Musicalpläne des "Konzerns Bremen" (Böse) zu vernehmen; vielmehr setzt man hier pragmatisch auf die Kooperation mit dem Land.
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