| Die letztere wird in Suchons Oper durch Svätopluks Sohn Mojmír personifiziert. Er fühlt sich der Lehre der Slawenapostel Kyrill und Method verbunden, während der zweite Thronerbe, Svätopluk junior, sein Glück in einer Koalition mit Heiden und Magyaren sucht. Dass aus der überaus verwickelten Handlung, die sich daraus entspinnt, eine wirklich packende Oper werden konnte, liegt zuvörderst an der suggestiven und bildkräftigen Musik mit ihren archaisch historisierenden, quasi byzantinisch prunkenden Klangphantasien. Doch verweist die Partitur, besonders in ihrer mitunter sehr massiven orchestralen und dynamischen Kompaktheit, zugleich auf das Lebensgefühl während der Entstehungszeit des Werkes in den 50er Jahren der sozialistischen Ära. Eine schwere, dunkle Atmosphäre von Niedergeschlagenheit und Aussichtslosigkeit lastet auf der Musik von den ersten Takten an. Solche Mehrschichtigkeit und Mehrdeutigkeit des „Svätopluk“ hat ein Meisterwerk sui generis entstehen lassen: Historienoper und geheimes Zeitstück in Einem.
© Foto: Robo Hubac Für die aus Anlass des 100.Geburtstages von Eugen Suchon im Jahr 2008 entstandene Neuproduktion hat man in Bratislava wie schon bei „Krútnava“ den Filmregisseur Juraj Jakubisko verpflichtet, dessen künstlerische Vita seinerseits eng mit den Widerfahrnissen der jüngeren (tschecho)slowakischen Geschichte verkettet ist. Jakubiskos Interpretation widersteht allen naheliegenden Aktualisierungsversuchen. Für ihn haben die großen nationalen Ereignisse um König Svätopluk und seine Söhne eine zeitlose Präsenz. Die Phantasie der Zuschauer nicht vorschnell festzulegen, dies ist die eine große Stärke seiner Arbeit, wobei Jakubisko bei aller Abstraktion nichts von optischer Askese hält. So sind die prächtigen und auf ihre Art doch schlichten Kostüme von Ludmila Várossová einfach wunderschön anzusehen. Jakubiskos zweite Stärke: die sehr prägnant gezeichneten Charaktere der Protagonisten. Jakubisko inszeniert kein Drama der äußeren Haupt- und Staatsaktionen, sondern ermöglicht differenzierte Einblicke in das individuelle Seelenleben der Menschen, die als Täter oder Opfer am Räderwerk der Geschichte verzweifeln. Endlich, nach drei Akten Drangsal und Chaos, bricht sich in dem von Suchon im Stil einer Preghiera komponierten Eid des neuen Königs Mojmír die durch Leiden gelehrte Einsicht Bahn, dass nur ein auf Eintracht und ethische Güte gegründetes Staatswesen existenzfähig ist.
weiter bitte
zurück zur Übersicht bitte | |