| Die Slowakei ist mit der Anfang des Jahres im Land erfolgten Euro-Einführung zur weit nach Osten ausgreifenden Vorhut der europäischen Gemeinschaftswährung geworden. Auf den neuen Ein- und Zweieurostücken prangt stolz das Patriarchenkreuz des Nationalwappens. Im Osten des Landes verläuft die fließende Grenze zwischen römischer und orthodoxer Kultur.
© Foto: Robo Hubac Dagegen hat sich Bratislava - die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Österreich liegende Kapitale mit dem slawisch anmutenden Namen - in den letzten Jahrzehnten zusehends zu einer Markt- und Konsummetropole westlichen Typs entwickelt. Sonach durchzieht eine eigentümliche Ambiguität zwischen Ost und West das Land und mehr noch die slowakische Seele. Sinnfällig studieren lässt sich das am Beispiel des als Nationalhelden verehrten Ludovít Stúr, der im 19.Jahrhundert federführend bei der Kodifizierung der slowakischen Schriftsprache war. Stúr sah die politische Zukunft seines Volkes, wie der slawischen Welt überhaupt, in einem Bündnis mit Russland; eine seinerzeit kühne, progressive Vision, die sich späterhin zu einem Trauma wandelte, als sowjetische Truppen 1968 auch in Bratislava einmarschierten. - Freilich, es war das christliche Russland, an das Stúr dachte!
Diese Zwiespältigkeit zwischen Ost und West hat eine lange Geschichte. In seinem Musikdrama „Svätopluk“ (1960) zeigt der slowakische Komponist Eugen Suchon (1908-1993) die inneren und äußeren Zwistigkeiten auf, die gegen Ende des neunten Jahrhunderts den Zusammenbruch des Großmährischen Reiches von König Svätopluk herbeigeführt haben. Eine Ursache für den Zerfall dieses frühen und mächtigen Vorläuferstaates der heutigen Slowakei ist in seiner politischen Zerrissenheit zwischen fränkischer und byzantinischer Hemisphäre zu suchen.
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