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Christian Tepe über Eugen Suchons „Krútnava“ am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Einheit von Gott, Mensch und Natur

Eugen Suchons „Krútnava“ am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava

Als nach dem Zerfall der Donaumonarchie das Slowakische Nationaltheater (SND: Slovenské národné divadlo) gegründet wurde, nutzte man als Spielstätte den 1886 im historischen Stadtzentrum von Pressburg entstandenen Helmer-Fellner-Bau, den sich bis dahin deutsch- und ungarischsprachige Ensembles geteilt hatten. Erst 2007 konnte am Donauufer - wenige Kilometer flussabwärts von der Burg Devin, einem slowakischen Nationalheiligtum aus der Zeit eines frühen Slawenstaates - ein großzügig konzipierter neuer Theaterkomplex eröffnet werden. So findet die Existenz einer selbständigen slowakischen Kultur und Theaterkunst endlich auch ihren angemessenen architektonischen Ausdruck in der Hauptstadt, die nun über zwei attraktive vom SND bespielte Opernhäuser verfügt.

Christian Tepe über Eugen Suchons „Krútnava“ am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg

das neue 2007 am Donauufer eröffnete Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters Bratislava. © Foto: Alena Klenkova

Im Operngenre sind es vor allem die Werke des Komponisten Eugen Suchon (1908-1993), die von der Eigenart der slowakischen Psyche erzählen. Anlässlich seines 100. Geburtstages gab es am SND zum Saisonauftakt eine Festaufführung von Suchons Oper „Krútnava“, die zugleich live im nationalen Fernsehen gezeigt wurde - eine für deutsche Verhältnisse leider inzwischen unvorstellbar gewordene Wertschätzung der Künste! Das 1949 in Bratislava uraufgeführte Stück ist eine raue Geschichte aus den slowakischen Wäldern: Um seine Auserwählte Katrena heiraten zu können, ermordet der reiche Ondrej seinen Nebenbuhler Jano Stelina. Aber das erhoffte Glück stellt sich nicht ein. Ondrej vermag die Last des schlechten Gewissens nicht zu tragen. Im Wirbel der Gefühle (slowakisch „krútnava“) bekennt er sich öffentlich zu seiner Tat und Schuld. Am Ende verzichtet der alte Stelina, der Vater des ermordeten Jano, auf Rache und Vergeltung; das Stück klingt in einer befriedenden, hoffnungsvollen Tonlage aus.

Für sein Vorhaben „der Welt von der Opernbühne aus unser slowakisches Volk mit allen seinen Problemen nach dem Ersten Weltkrieg zu zeigen“, hat Suchon eine Musik komponiert, die die Mittel einer avancierten, modernen Klangsprache mit folkloristischen Wurzeln verschmilzt. Äußerst geschickt verschränkt er die Haupthandlung mit Tänzen und dem Volkslied nachempfundenen Gesangseinlagen, wie zum Beispiel in dem ebenso hinreißenden wie dramaturgisch doppelbödigen Hochzeitsbild.

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