| Rzewskis Ästhetik einer interaktiven Musikperformance, die die Grenzen zwischen Musik, Sprache und Geräusch genauso sprengt, wie sie tendenziell danach trachtet, die Unterscheidung von Publikum und Darstellern aufzuheben, fand in Andrej Woron einen kongenialen Partner als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner in einer Person. Woron setzt ganz auf die Ansteckungskraft eines exzessiven, wild überbordenden Totaltheaters. Musik und Spiel verschmelzen zu einer in ständiger Steigerung begriffenen geradezu körperlichen Attacke. Seine Darsteller lässt Woron damit an die Ängste, Frustrationen und angestauten Aggressionen der Menschen – den Kriegszustand in den Herzen der Zuhörer und Zuschauer im Zeitalter des totalen Kapitalismus – rühren. Durch die Mehrfachbesetzung der Figuren als Sänger und Schauspieler löst sich ihre einfache Ich-Identität in ein Vexierbild gegenläufiger Emotionen auf, was Szenen von frappierender Wirkung etwa im Atossa-Paar von Cornelie Isenbürger (Sopran) und Inès Burdow (Performerin) zeitigt. Als grandiose Chorführerin fegt Wiebke Frost über den Wüstensand der persisch-zeitgenössichen Konsumhalde und fließt dabei über vor aggressiver Verzweiflung und Power. Christophe Hellmann leitet das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Ensemble musikFabrik, das mit präziser Leidenschaft die Suggestionskraft der Partitur aufspannt.
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