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Christian Tepe über Frederic Rzewskis “Die Perser“

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Theater der körperlichen Attacke
Frederic Rzewskis “Die Perser“ am Theater Bielefeld

Wuchtige Hammerschläge gegen den Eisernen Vorhang, die Mark und Bein erschüttern und hart an die Schmerzgrenze reichen, geben die Richtung vor: Das adäquate Sensorium für diese Performance ist der Körper als „Weltfühler“, nicht die ästhetische Urteilskraft, hermeneutisches Sinnverstehen oder philosophische Ideenreflexion. Was Rzewski an Aischylos’ Drama über die Lage am persischen Königshof unmittelbar nach der verlorenen Schlacht von Salamis reizt, geht weit über ein historisch-philologisches Interesse hinaus; es ist die Situation der absoluten Katastrophe als Quelle mächtiger Kollektivaffekte. Die Handlung blättert die verschiedenen Facetten des Krieges, nicht nur als militärisches Unternehmen, sondern auch als Krieg des Geldes, Konsumkrieg, Familienkrieg, Medienkrieg auf: Krieg als große Metapher für alle zerstörerischen Kräfte, die die Menschen unterjochen und die doch von ihnen selbst geschaffen und aufrechterhalten werden. Gegen solcherlei Verharren im Unglück rebelliert Rzewskis Musik. Die Partitur lässt sich als raffinierte Mixtur höchst heterogener Stilelemente von seriellen Techniken bis zur Minimalmusic beschreiben, wobei Rzewski mit seinem pragmatischen Musikverständnis – wie im instruktiven Programmheft von Roland Quitt ausführlich dargelegt wird – bewusst die Idee des authentischen Kunstwerks aufgibt. An seine Stelle tritt eine kompromisslose Wirkungssteuerung: Wahr, gut und gelungen ist diejenige Musik, welche die Initiative, die Aktionslust und den Veränderungswillen der Menschen wachruft.

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