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"AN DER MUSIK VORBEI INSZENIERT" Unterkühlte „Aida“ zum Musiktheater-Auftakt in BremenMouchtar-Samorais Interesse zielt offenkundig mehr auf die großen Massenszenen – und hier gelingt ihm auch, unterstützt durch die Choreographie von Jacqueline Davenport manch opulentes und verblüffendes Tableau, so der als Opernball präsentierte Triumphakt , mit dem Mouchtar-Samorai die sich hinter der ästhetischen Phantasie vom alten Ägypten verbergenden zeitgenössischen gesellschaftlichen Gruppierungen zu identifizieren trachtet, oder die in kühler Eleganz am Swimmingpool drapierte Fun-Gesellschaft zu Beginn des Nilakts, durch die Mouchtar-Samorai dem Publikum die Exotismen der Oper als projektives europäisches Ideologem über das Andere und Fremde zurückspiegeln will. Zu einer schlüssigen Gesamtperspektive auf das Werk mit seiner zur äußersten Zuspitzung getriebenen Kollision zwischen Liebe und Staatsräson, zwischen individuellen Glücksanspruch und der Herrschaft des gesellschaftlich Allgemeinen über die Menschen wachsen diese interpretatorischen Ansätze indes nicht zusammen, weil auch sie unempfindlich gegenüber dem seelischen Inhalt der Musik bleiben. Die Opernball-Betulichkeit des zweiten Aktes wirkt bieder vor der erschreckenden Monumentalität der Musik. Das negative Freizeitidyll am Swimmingpool zeigt wenig von dem ungeheuren Spannungsaufbau in Verdis vermeintlicher Stimmungmalerei am Anfang des Nilaktes, diesem mystischen Hineinragen der äußeren Natur in die Erregungen der menschlichen Natur. – Die Musik läuft hier, wie so häufig an diesem Abend, ins Leere.
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