| Donald Berkenhoffs Inszenierung erzählt die Geschichte Willy Lomans von ihrem Ende her. Willys phantasierte große Trauergemeinde stellt sich nicht ein: nur ein paar Freunde und seine Familie versammeln sich um seinen Sarg und erinnern sich an ihn. Willy Loman erscheint als ein Mann, der nach Anerkennung und Liebe giert, gleichzeitig sein Leben nach den ungeschriebenen Gesetzen einer Gesellschaft des "American way of life" ausrichtet. Einer Gesellschaft, deren wichtigste Werte Erfolg und materieller Wohlstand sind und in der "Erfolglose", "Scheiternde" und "Versager" keinen Platz haben. Deshalb ist er blind für die Probleme seiner Kinder und seiner Frau, aber auch für seine eigene Situation.
Wie viele von Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichem und persönlichem Misserfolg Betroffene privatisiert Willy Loman sein "Scheitern": Er empfindet sich einerseits als Opfer der undurchschaubaren Verhältnisse, andererseits fühlt er sich selbst verantwortlich für sein Schicksal und verteidigt unbeirrt die Ideologien des Marktes, die ihn in die Knie zwingen. Und er ist mit Mitte 50 zu alt und zu abgearbeitet, um sich ein Leben ohne Leistungsdruck, ohne fremdbestimmte Arbeit und ohne gesellschaftliche Anerkennung nur vorstellen zu können.
Mit "Tod eines Handlungsreisenden" beginnt das Schauspiel seinen thematischen Schwerpunkt der 2. Hälfte der Spielzeit, der vom Leben in Zeiten des weltweiten Neoliberalismus handelt. Veranstaltungen, Lesungen und Diskussionen werden die Inszenierung begleiten.
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