| Operette von Emmerich Kálmán Text von Leo Stein und Béla Jenbach Wäre Wiens blaublütige Hofgesellschaft nicht dermaßen unterkühlt und vertrocknet, würde Fürstenspross Edwin sicherlich standesgemäß heiraten. So aber düpiert er die gesamte Verwandtschaft und verlustiert sich lieber mit der heißblütigen Chansonette Sylva Varescu im Budapes-ter Varieté. Aus der Mesalliance zwischen hohem Adel und niederer Unterhaltungskunst entspringen mit die schönsten Melodien der gesamten Operettengattung. Doch ob feuriger ungarischer Csárdás oder schwelgerischer Wiener Walzer: Es ist ein Tanz auf dem Vulkan.
Wie in kaum einem anderen Operettenwerk versteckt sich hinter all der Amüsierwut der Protagonisten die Angst vor dem drohenden Morgen: „Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht? Ob es morgen nicht schon zu spät?" Nicht nur die Standesregeln sind längst morsch – die fürstlich-bigotte Herrenwelt vernascht die „Mädis vom Chantant" und die Damen des „Tingeltangel" heiraten frech nach oben. Über der Gesellschaft, die da in Auflösung begriffen ist, braut sich schließlich die Katastrophe des Ersten Weltkrieges zusammen. Ein Einberufungsbefehl trennt die frisch Verliebten, vor dem herzzerreißenden Abschied wird noch schnell eine Blitzverlobung organisiert und man singt vom irdischen Jammertal, das man eh bald verlässt. Laute Unterhaltung soll die Sorgen totschlagen: „Hurra, man lebt ja nur einmal!", lautet einem Kampfschrei gleich das Motto. Doch hinter der angestrengten Fassade des Showgeschäfts liegen die kleinen Sehnsüchte verborgen. In schwierigen Zeiten bekommt der bescheidene Wunsch nach Häuslichkeit und Eheglück, wie er sich in „Machen wir’s den Schwalben nach, bau’n wir uns ein Nest" verrät, eine andere Dimension. Wenn eine ganze Welt dem Abgrund entgegentaumelt, zählt letztlich nur eins: "Mag die ganze Welt versinken, hab’ ich dich!"
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