| "Bibelfest" vom 24.6. bis 20.7.2003 im Karlsruher Künstlerhaus. Eine Kurzführung durch die Ausstellung. Von Lothar Rumold Ausstellungsrundgang:
Sybille Berger-Jenisch: "Wüstenzug", o.J.
Christa Kress: "Imagination zum Isenheimer Altar", 1999
Barbara Jäger: "Noahs Taube", o.J.
Doris Lasar: "Der letzte Tag im Paradies", 2003
Brigitte Nowatzke-Kraft: "Drucksache II", 1998 Da Buchstabentreue in diesem Fall tatsächlich zu nichts geführt hätte, beschlossen die 37 Künstlerinnen und Künstler des BBK-Karlsruhe, deren Werke derzeit unter dem Motto "Bibelfest" in der Künstlerhaus-Galerie zu sehen sind, leere Wände wieder einmal mehr zu fürchten als die heute immer deutlicher erkennbaren Folgen des notorischen Verstoßens gegen das zweite Gebot. Aber kündet nicht der Zweig im Taubenschnabel (Barbara Jäger: "Noahs Taube") vom zukünftig wieder vorhandenen festen Land, das aus der Sündflut zeitgenössischer Kunstwerkelei auftaucht und uns spät gekommenen, kreativen Nachfahren Noahs Aussicht auf festen Grund und neues Beginnen verschafft? Optimisten dürfen erleichtert aufatmen, Pessimisten mögen mir in die Ausstellung folgen.
Vor dem "letzten Tango in Paris" (Bernardo Bertolucci, 1972) musste erst "der letzte Tag im Paradies" (Doris Lasar, 2003), ein Obsttag übrigens, die gesellschaftlichen Voraussetzungen für derartige Paarungen geschaffen haben. Michael Schneider, mit Maria Schneider weder verwandt noch verschwägert, überrascht mit vier feinnervigen Zeichnungen, Annette Ziegler dagegen mit ihrer vor 12 Jahren gemachten Beobachtung einer "Kreuzigung auf der Karlsruher Kaiserstraße", ein Fall, der damals bundesweit durch die Presse gegangen wäre, wenn Annette Ziegler eine Videokamera dabei gehabt hätte. Mit Emil Wachters "Josef von Ägypten" (1998) vor Ohren erblickt das innere Auge den im letzten Jahr verstorbenen Gert Westphal, wie er, manchmal ein wenig zu üppig, Thomas Manns "Joseph und seine Brüder" zelebriert (derzeit wieder in "Fortsetzung folgt" auf SWR2); in Wachters drei Gouachen allerdings gibt es kein Zuviel-des-Guten. Paradigmatische Paarbeziehungen, Schöpfungstage und -nächte, Opferszenen, Bibeln, Kreuze, ein Tamagotchi, Engelserscheinungen – das ginge alles unter den einen "Amish Hat" (2003) von Ron Otter, den man auf den ersten Blick für einen großen Karamell-Pudding oder aber für den Berg halten könnte, der, in Ermangelung eines lebenden Propheten, ersatzweise zum Papst kommt. Denn der ist auch da, Brigitte Nowatzke-Kraft hat ihn hergebracht. Alleine hätte er mit seinem hübschen gelben Blinde-Kuh-Tüchlein vor dem Gesicht den Weg bestimmt nicht gefunden ("Drucksache II", 1998). Nach seinem wiedermal starrsinnigen Nein zum jüngsten Befreiungsschlag in Babylonien würde Nowatzke-Kraft ihn heute vielleicht noch etwas liebevoller verhüllt haben.
Die versammelten Belege für das Scheitern des vom Alten Testament bezeugten Versuchs, der bildenden Kunst beizeiten den Garaus zu machen oder sie wenigstens frühzeitig in konkret-künstlerische Bahnen zu lenken, stammen von:
Sybille Berger-Jenisch, Wolfgang Blanke, Peter Paul Buchta, Ingrid Bürger, Ioan Bunus, Beatemarie Busch, HD Ehret, Karl Hans Gehring, Volker Griener, Wolfgang Henning, Jutta Hieret-Piosczyk, Benno Huth, Barbara Jäger, Philine-Johanna Kempf, Sylvia Kiefer, Gerhard Knodel, Brigitte Kratochwil-Hardt, Christa Kress, Doris Lasar, Lilo Maisch, Brigitte Nowatzke-Kraft, Ron Otter, Gisela Pletschen, OMI Riesterer, Gudrun Roth, Lothar Rumold, RUN, Mihai Rusu, Bernhard B. Schäfer, Michael Schneider, Johanna Seiter, Harald H. Seyfried-Lantin, Hans-Joachim Teegelbeckers, Emil Wachter, Dietmar Zankel, Roland Zeller, Annette Ziegler.
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