| "Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg"
Eugène Delacroix Sonderausstellung des Landes | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe vom 01.11.2003 bis 01.02.2004 Dennoch wollte die Romantik alle Grenzen sprengen, überwinden, um diesem Ziel näher zu kommen. Dabei war man überzeugt, daß Dichtung, Malerei und Musik gar nicht getrennt werden konnten. So hat sich Eugène Delacroix, umfassend gebildet, auch intensiv mit Goethe und dessen Faust befaßt. Dieses Interesse an Faust begründet Delacroix in einem Brief an einen Freund mit seiner "eigenen düsteren Seelenlage". Und der Faust-Zyklus, dessen wunderbare Lithographien ebenfalls außerordentlich bremsend auf den Ausstellungsrundgang wirken, zeigt, daß Delacroix nicht nur seine Tiger und Panther sehr gut kannte, sondern auch seinen Mephisto. Mephistos "Programm": "Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht, denn alles was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht" findet sich wieder im Bild der toten Pferde, das die tatsächliche Beziehung der realen Menschen zur Natur sichtbar macht. Mit diesem Wissen - das hier zugegebenermaßen eine reine Unterstellung ist, mit der ich versuche, mir unerklärbar Erscheinendes doch zu erklären - wußte Delacroix auch, daß Novalis’ obiges Postulat an den Menschen wohl scheitern würde – und doch haben wir in der Kunst wie in der Religion immer wieder das Phänomen der Erinnerung (und/oder des Vorscheins) an eine ursprüngliche Einheit, an einen "Sinn des Lebens". Wenn Adorno von Mimesis spricht oder Ernst Bloch von Heimat, so geht es im Grunde um dasselbe.
Im Sinne der romantischen Überzeugung, daß die verschiedenen Künste zusammengehören, erlaube ich mir abschließend, meine Sichtweise der Bilder von Eugène Delacroix mit einem Zitat aus Franz Kafkas Tagebüchern zusammenzufassen: "Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg"
Nun ist das eine sehr subjektive Sicht. Sie sind eingeladen, sich Ihr eigenes Bild zu machen. Dazu Zwei Tips: Die Zeichnungen und Aquarelle verdienen nicht weniger Aufmerksamkeit als die Gemälde. Wichtiger noch: nehmen Sie sich reichlich Zeit mit. Zeit ist hier nicht Geld, aber die Zeit, die Sie hier verbringen, bereichert Ihre Seele und ist, trotz alledem, eine Romantisierung
Mit 223 Exponaten aus acht Ländern bietet die Kunsthalle hier einen hervorragenden Überblick über das Schaffen von Eugène Delacroix. Eugène Delacroix – Sonderausstellung des Landes in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe vom 01.11.2003 bis 01.02.2004
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