| "Ein wahrer Mensch muß fern von Menschen sein"
Max Beckmann – Druckgraphik 1914-1924 Ausstellung vom 19. Februar bis 22. Mai 2005 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe Immer schon begeistert von Max Beckmanns zeichnerischen und druckgraphischem Werk, bietet mir die große Ausstellung in der Karlsruher Kunsthalle eine Gelegenheit, den Gründen dieser Faszination nachzuspüren. Nach zwei längeren Besuchen bemerke ich, daß es immer wieder Arbeiten sind, die im – sehr gelungenen – Katalog zur Ausstellung zusammengefaßt werden unter dem Kapitel “das große Menschenorchester“.
Holger Jacob Friesen, Kurator der Ausstellung und Hauptautor des Katalogs, beschreibt besser als ich es könnte, die Thematik dieses wichtigen Teils der Arbeit Beckmanns:
"Vor dem Maskenball", 1923 Kaltnadelradierung auf Velin, 20,1 x 33,1 cm "Beckmann war ein Stadtmensch. 1918 schreibt er in seinem »Bekenntnis«: »Wir gehen wohl einer schweren Zeit entgegen. Aber gerade jetzt habe ich fast noch mehr als vor dem Krieg das Bedürfnis, unter den Menschen zu bleiben. In der Stadt. Gerade hier ist jetzt unser Platz.«! Bauern und Landschaft, so fährt er fort, seien »sicher auch etwas sehr schönes und gelegentlich eine schöne Erholung. Aber das große Menschenorchester ist doch die Stadt.« Das Getriebe der Städte faszinierte den Künstler. Insbesondere teilte er den Drang ihrer Bewohner, sich in Cafes und Tanzlokalen, in Bars und Varietes, auf Maskenbällen oder auch im Schwimmbad zu amüsieren - und er beobachtete all dies intensiv. Die zahlreichen Darstellungen, die sich diesen Themen widmen, erwecken allerdings den Eindruck, als sei das Vergnügen immer nur oberflächlich und gleichsam dunkel grundiert. Es ist deutlich zu spüren, daß es den Menschen um Zerstreuung individueller Sorgen und um Ablenkung von der gesellschaftlichen Misere zu tun ist. Wirkliche Ausgelassenheit und unbeschwerte Freude sind ebenso selten wie echte Kommunikation. Gerade im Getümmel der Menschen fällt auf, daß jeder einzelne isoliert ist. Es ist die moderne Einsamkeit. Die Beckmann diagnostiziert - oft genug auch an sich selbst. Die Feststellung »Einsam sind die Menschen unter sich«, die Beckmann schon 1909 in sein Tagebuch notiert hatte, wiederholte er bezeichnenderweise fast wortgleich in einem Brief von 1925. Es ist eine Grundeinsicht, die ihn zeitlebens umtrieb." (Holger Jacob Friesen im Katalog zur Ausstellung, Seite 152
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