| "David Teniers – ein Kritiker unserer heutigen Zeit?"
David Teniers d.J. 1610 - 1690 - Alltag und Vergnügen in Flandern Ausstellung vom 05.11.2005 - 19.02.2006 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe Man besucht diese Ausstellung, wird alsbald hineingezogen von der Faszination einer (scheinbar?) schöneren Welt, von einer anderen Zeit, farbenfroh und lebendig, anders als wir es heute gewohnt sind.
Zu sehen sind rund 90 Gemälde und zwanzig Zeichnungen; zehn der Gemälde sind im Besitz der Kunsthalle, die diese Sonderausstellung des Landes aus ihrem Bestand heraus entwickelte.
Die Anstrengung nach dem langen Rundgang wird erst hinterher bewußt und auch, daß irgend etwas nicht zu stimmen scheint: wir sind schließlich nicht in einem Märchen und wir haben schließlich gelernt, daß die Kunst weder heiter ("ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst") noch schön zu sein hat, sondern gefälligst kritisch auf Welt und Gesellschaft blicken muß, um unseren eigenen Blick zu schulen und uns zu konfrontieren mit der Welt, wie sie wirklich ist, und das ist immer brutal, häßlich, schlecht und ungerecht.
Dorffest, 1648 Öl auf Leinwand, 115 x 178 cm Staatliche Kunsthalle Karlsruhe Hier ist alles anders: Alltag und Vergnügen in Flandern ist der Titel der Ausstellung und fast nur Vergnügen sehen wir. Aber so war das doch damals gar nicht! denken wir unwillkürlich, fühlen uns womöglich ein wenig irritiert, da uns die Ausstellung ja dennoch fasziniert. Wo wir doch längst immun sind gegen Beschönigungen: uns kann keiner was erzählen, wir wissen, wie die Welt wirklich ist.
Woher also kommt diese Faszination? Nach Erklärungen brauchen wir nicht lange suchen: uns fasziniert, was uns fehlt: Begeisterungsfähigkeit, Herzlichkeit, Lust am Leben, usw. Mehrere Rezensionen zur Teniers-Ausstellung argumentieren in genau diese Richtung; exemplarisch nennen wir die von Sibylle Peine in der Welt:
“Die vergessene Leichtigkeit des Seins.“ ist der vielsagende Titel ihres erhellenden Beitrages vom 29.11. Sie schließt ihre Rezension, ich denke, nicht zu unrecht, so: “Vielleicht ist es gerade diese Welt der Harmonie und Friedfertigkeit, nach der wir uns alle sehnen, die uns Teniers heute wieder so sympathisch macht.“ (Sibylle Peine in der Welt am 29.11.05)
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