| "wenn ich mal bin mal in der Malerei"
Georg Baselitz: "Malelade" Ausstellung vom 10.07.–12.09.2004 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe Tatsächlich gibt es zahlreiche Tafeln in der Ausstellung, auf denen der Text dominiert und die Farbe, auf den ersten Blick aber nur, eine fast illustrierende Funktion zu haben scheinen. Das aber täuscht. Die ganze ’Malelade’ ist ein Gesamtkunstwerk voller farblich –sinnlicher Kraft, in welcher die Bildwelt der Sprache ihre Grenzen aufzeigt, nicht arrogant, belehrend, sondern eher zärtlich, sich der gemeinsamen Aufgabe der Verständigung erinnernd.
Baselitz, als brillanter Künstler schon hinreichend gelobt, ist eben auch ein hochbelesener Gelehrter, der, was sich nicht zuletzt durch seine große Sammlung afrikanischer Kunst zeigt, auch um die mythischen Aspekte der Kunst und der Bilder als solcher bestens bescheid weiß.
Ich habe einen Verdacht: wenn Baselitz sagt: „für mich ist diese Sprache ganz weit unten, am Anfang“ – so meint er mitnichten die Sprache seiner Malelade, er meint vielmehr die Sprache als solche, die Sprache, die uns, wie wir spätestens seit Horkheimer und Adornos “instrumenteller Vernunft“ von der Welt trennt, entfremdet, und wozu William S. Burroughs insofern treffend sagte: Language is an virus from outerspace – diese Sprache ist ganz am Anfang einer Bandbreite von Kommuniktion, in welcher die Kunst am anderen, beweglichen Ende steht.
So formuliert auch die Autorin des Kataloges zur Ausstellung Kirsten Voigt folgende Aufgabe:
“(…)Es geht um Ursprung und Heimat einerseits und um eine Malerei, die ihre Aura und ihren Zauber unter der nüchternen und zugleich lüsternen Flut der zeitgenössischen Bilder zu verlieren droht“ (Siegfried Gohr). Diese Deutung soll hier etwas näher spezifiziert und erweitert werden.
Feinsinnig, exakt und souverän und in hohem Maße auch lustvoll zeigt uns Baselitz, wie die Bildende Kunst die Grenzen der Sprache überwindet; in keiner Weise belehrend, ist die Malelade ein Lehrbuch. Noch ein Hinweis zum Titel: "Ich kann nicht mal weglaufen, wenn ich mal bin mal in der Malerei" ist ein Zitat von Baselitz; Katalog Seite 15)
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