| Ende am Anfang bestimmen
zur konkreten Poesie von Hetum Gruber
Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe vom 03.04. bis 27.06.2004 Mich selbst interessiert immer schon der Zusammenhang zwischen Sprache und Kunst, weil ich glaube, daß die Kunst dort beginnt, wo die Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache (die Lyrik sei ausgenommen) an ihre Grenzen stoßen.
Nach meinem Empfinden schafft Hetum Gruber eine Verbindung zwischen beiden Welten: Er anwortet aus der Perspektive der Bildenden Kunst, wodurch er den Ausdrucksraum der Sprache erweitert.
Die Serie "Entscheidungen" verweist uns auf das im Alltag gerne verdrängte Phänomen der Kontingenz: alles, was ist, könnte auch anders sein. Jede Linie einer Zeichnung ist Ergebnis einer (bewußten oder zufälligen) Entscheidung des Künstlers.
Als ich den Künstler frage, ob es denkbar sei, daß er einmal einen Titel findet, der alleine stehen kann und gar keiner bildhaften Umsetzung mehr bedarf, antwortet er: "denkbar?Ja."
"Etwas machen, dessen Fertigstellung unabsehbar ist". "Der Titel beschreibt, was getan wird, und sonst nichts", betont der Künstler. Für mich ist dennoch dieser Titel selbst ein Bild – eine überaus gelungene Metapher des Lebens.
Dann gibt es eine Serie zu sehen mit dem Titel "Eine Fläche in Beschlag nehmen"; die einzelnen Bilder sind entstanden durch Hammerschläge auf Durchschlagpapier.
Vielleicht ist Sprache, wenn sie Bilder zu schaffen vermag, Kunst: Begreift man den Titel oben nicht nur als konkretes Konzept, sondern ein wenig allgemeiner als Programm, so könnte man die ausführende Arbeit als konkrete Poesie auffassen.
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