| Ende am Anfang bestimmen
zur konkreten Poesie von Hetum Gruber
Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe vom 03.04. bis 27.06.2004 "Ende am Anfang bestimmen" ist eine Arbeit aus Hetum Grubers Serie "Eigenbestimmung (Zeit)". Ganz typisch ist, daß schon der Titel der Arbeit Kunst ist; zumindest aber Konzept - Hetum Grubers Werk ist der allumfassenden (oder zumindest nichts ausschließenden) Konzeptkunst zuzurechnen.
Ende am Anfang bestimmen 48 Stunden oder höchstens bis zur Linie, 1978 aus der Serie: Eigenbestimmung (Zeit) Die Ausstellung, die solcherart intellektuell anmutet, verwundert auf den ersten Blick durch eine frappierende Sinnlichkeit: man wird hineingezogen, will sehen, und wird gleich wieder festgehalten von den ersten kleinformatigen Arbeiten: der Serie "Entscheidungen", einer Art Tagebuch in Form von Bildern, die über Jahre hinweg entstanden sind und die sich, so der Künstler, durch eine gemeinsame Qualität auszeichnen: "Sie bedeuten nichts, da ist nichts dahinter, alles ist auf dem Papier". All diese Arbeiten kann der Künstler prinzipiell wiederholen, sie entstehen nach einfachen Konzepten wie etwa diesem: „einen Teelöffel blaue Farbe auf der linken Blatthälfte verteilen". Dieser Verzicht auf Bedeutung befreit von der Angst des Scheiterns: "Ich komme morgens ins Atelier und weiß sofort, was zu tun ist, das ist wunderbar." Sagt Hetum Gruber den vorbesichtigenden MedienvertrerInnen.
Eine gewisse Verwandtschaft zur Konkreten Kunst, vielleicht auch im eben genannten Motiv, ist unverkennbar – die Zurücknahme des Individuellen realisiert Gruber derart konsequent, daß er in begleitenden (sehr empfehlenswerten) Katalogen darauf verzichtet, seine Biographie zu veröffentlichen, weil ihm der "ganze Zirkus um die Person" überflüssig bis peinlich erscheint.
Der Titel der Ausstellung ist gleichzeitig Titel eines programmatischen Hauptwerks: Etwas machen, dessen Fertigstellung unabsehbar ist – ist übrigens gleichzeitig Titel eines programmatischen Hauptwerkes: Gruber bearbeitet mit Graphit eine Rolle Papier, eine Arbeit, die er kaum jemals wird beenden können. Vor dieser Arbeit kann - und ich denke: sollte - man lange meditativ verweilen.
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